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02.03.2009 17:09
Rubrik:

Die Contango-Falle

Quelle: Fotolia

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres sind die Kurse vieler Rohstoffe massiv eingebrochen. Die Forwardkurven vieler Energieträger, Metalle und Landwirtschaftsprodukte zeigen seither steil ansteigende Verläufe. Diese Formationen können Neuengagements im Rohstoffsektor erschweren. Denn es drohen sogenannte Rollverluste, die die Renditen belasten können.

Was vor gut einem halben Jahr undenkbar schien, ist Realität geworden. Der Preis für Rohöl ist erheblich gesunken. Im Juli 2008 noch zu fast 150 Dollar je Fass gehandelt, kostet das „schwarze Gold“ heute rund 40 Dollar. Je nach Sorte liegt der Preis knapp oberhalb (Brent) oder knapp unter dieser Marke (WTI). Dabei ist der Energiesektor kein Einzelfall. So erfuhren die Industriemetalle ähnlich wie das Öl einen Höhenflug, der über Jahre andauerte.

Vor allem der Städtebau in Asien und Investitionen in Infrastruktur verschlangen Unmengen an Kupfer, Aluminium und Zink. Mit dem Abebben der Nachfrage gerieten auch die Preise unter Druck. Eine Tonne Kupfer, die an der London Metal Exchange (LME) im Sommer 2008 noch über 8.000 Dollar kostete, wurde Anfang Februar 2009 für rund 3.500 Dollar gehandelt.  

Auch im Agrarsektor kam es zu Kurseinbrüchen. So hat sich beispielsweise der Preis für Mais, ausgehend von gut 7 Dollar, in etwa halbiert. Zuvor waren die Notierungen des Getreides deutlich gestiegen, weil neben der Nahrungs- und Futtermittelnachfrage der Biokraftstoffsektor als zusätzlicher Nachfrager hinzukam. Auch die anderen wichtigen Getreidearten Weizen und Sojabohnen verzeichneten hohe Verluste. Eine der wenigen Ausnahmen innerhalb des gesamten Rohstoffsektors ist Gold. Das Edelmetall, das in Krisen als „sicherer Hafen“ gilt, hielt sich vergleichsweise stabil. 

Nachteile durch Contango

Die Kursverluste haben noch einen zweiten Effekt: Viele Forwardkurven haben inzwischen einen steigenden Verlauf angenommen, auch Contango genannt. In der Forwardkurve sind die Preise von Futureskontrakten mit unterschiedlichen Laufzeiten dargestellt. Die Preise der Futures sind für Rohstoffinvestoren relevant. Denn abgesehen von einigen Edelmetallen wie Gold oder Silber erwerben Anleger den Rohstoff für gewöhnlich nicht direkt. Sie haben nur ein Interesse, an möglichen Preissteigerungen zu partizipieren, aber nicht an einer physischen Lieferung der Ware. Die Lieferung und Lagerung wäre auch problematisch, vor allem bei verderblichen Gütern aus dem Agrarsektor. 

Der Kauf von Terminkontrakten löst das Problem der Lagerung, bringt aber andere Besonderheiten mit sich. Es gibt beispielsweise nicht nur einen Rohölpreis der Sorte Brent, sondern mehrere Futureskontrakte mit unterschiedlichen Fälligkeitsterminen, beispielsweise März, Juli oder Dezember 2009. Open-End-Zertifikate beziehen sich in der Regel auf den nächstfälligen Kontrakt. Da dieser aber bald ausläuft, muss er rechtzeitig in den Folgekontrakt getauscht werden. Dieser Tauschprozess wird in der Praxis als „Rollen des Kontrakts“ bezeichnet.

Der Rollprozess kann für den Investor zusätzliche Gewinne, aber auch Verluste bedeuten – je nachdem, ob die Forwardkurve fällt oder steigt. Bei einer steigenden Forwardkurve (Contango) drohen Rollverluste, weil der auslaufende Futurekontrakt billiger ist als der folgende, der gekauft werden muss. Bei einer fallenden Kurve (Backwardation) können hingegen Rollerträge entstehen, da der auslaufende Kontrakt teurer ist als der folgende, der ihn ersetzt.  

Nach den Kursverlusten der vergangenen Monate haben viele Rohstoffe nun Contango-Formationen angenommen. Ein Beispiel hierfür ist Brent-Rohöl. Bei Getreidearten ist ein solcher Verlauf die Regel. An den Märkten für Energierohstoffe war jedoch in der Vergangenheit oft eine Backwardation zu beobachten. Bei Industriemetallen wie Kupfer ist ein Contango sogar eher selten zu beobachten. Einer der wenigen Rohstoffe, der sich aktuell in einer Backwardation befindet, ist Kakao.

Verschiedene Lösungsansätze

Hält eine Contango-Formation über einen längeren Zeitraum an, können für Inhaber von Open-End-Zertifikaten enorme Renditenachteile entstehen, die mögliche Kursgewinne aus Preissteigerungen des Rohstoffs sogar überkompensieren können. Es gibt aber Produkte, die Anlegern dabei helfen, die Nachteile aus der Contango-Situation zumindest zu begrenzen.

Eine mögliche Lösung besteht darin, das Rollen und somit auch mögliche Rollverluste von vornherein zu vermeiden – beispielsweise mit den Cap-Bonus-Zertifikaten auf die Rohölsorte Brent, die Goldman Sachs jüngst emittiert hat. Hierbei wird jeweils auf nur einen Brent-Futurekontrakt gesetzt, der bis zum Ende der Laufzeit des Zertifikats läuft. Ein Rollen entfällt. Was Anleger dabei beachten sollten: Für eine mögliche Barriereverletzung während der Laufzeit wird allerdings immer der jeweils nächstfällige Kontrakt beobachtet. Aktuell ist das der März-2009-Kontrakt.

Bonus-Zertifikate mit Cap eignen sich für Seitwärtsbewegungen eines bestimmten Basiswerts, aber auch für leichte Auf- oder Abwärtsszenarien. Am Ende der Laufzeit sind zwei unterschiedliche Auszahlungsprofile möglich, je nachdem, ob der Kurs des Basiswerts das Absicherungsniveau des Zertifikats unterschritten hat oder nicht.

Unterschreitet der Referenzkurs des Brent-Rohöl-Futures das Absicherungsniveau zu keinem Zeitpunkt, so kommt der Inhaber des Zertifikats in den Genuss der Bonuszahlung, die bei diesen Produkten gleichzeitig den maximalen Rückzahlungsbetrag darstellt. Unterschreitet der Basiswert dagegen das Absicherungsniveau, so verliert der Anleger den Anspruch auf den Bonus. Er erhält am Ende der Laufzeit genau die Performance des Basiswerts, bis maximal zum Cap, ausgezahlt. Im Falle einer negativen Performance des Basiswerts kann es zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen, wenn der Kurs des Brent-Rohöl-Futures bis auf null fallen sollte.

Strategien zur Rolloptimierung

Ein zweiter Ansatz zielt nicht auf das Vermeiden, sondern auf das Optimieren von Rollprozessen ab. Die S&P GSCI Crude Oil A1-Strategie versucht, eine Mehrrendite gegenüber dem statischen S&P GSCI Crude Oil Index zu erzielen. Dabei soll die Outperformance nicht durch eine andere Gewichtung der im Index enthaltenen Rohstoffe erzielt werden, sondern durch eine Optimierung von Rollrenditen. Zunächst werden die Rolltermine vorgezogen. Statt innerhalb des Zeitfensters zwischen dem 5. und 9. Handelstag eines Monats wird hier zwischen dem 1. und 5. Handelstag gerollt.

Zusätzlich zu dieser statischen Änderung der Rollprozesse wird ein modifiziertes Verfahren zum Rollen der Kontraktfälligkeiten angewendet. Sollte es zu einer Contango-Situation kommen, bei der weniger als 0,5% Preisunterschied zum nächstfälligen Future besteht, wird in den nächstfälligen Future gerollt. In dem Fall, dass dieser Unterschied jedoch größer als 0,5% sein sollte, wird nicht in den nächstfälligen Kontrakt gerollt, sondern in den sechstnächste
Kontrakt. Dieser Test wird monatlich durchgeführt.

Die passenden Produkte zu den optimierten Rollstrategien werden in der aktuellen Ausgabe des KnowHow-Magazins auf Seite 13 vorgestellt.   

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Von: Goldman Sachs

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