Ausblick Emerging Markets sind mit Vorsicht zu genießen

Thilo Stadler ist Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung in Mannheim.

Thilo Stadler ist Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung in Mannheim.

Das Wachstum der globalen Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Schätzungen der Weltbank zulegen und soll bei 3,1 Prozent liegen. Zum ersten Mal seit der Rezession 2008 werde das Wachstumspotenzial nahezu oder ganz ausgeschöpft, heißt es. Das liegt vor allem an den Schwellenländern. Deren Wirtschaftsleistung wird der Prognose zufolge um 4,5 Prozent und 2019 um 4,7 Prozent wachsen. Besonders deutlich soll der Boom in den Ländern ausfallen, die Rohstoffe exportieren. Die am schnellsten wachsende Region ist der Weltbank zufolge übrigens Ostasien. So soll das Wachstum in China 2018 beispielsweise 6,4 Prozent betragen, während die traditionellen Industrienationen auf 2,2 Prozent kommen und damit zehn Basispunkte unter dem Wert von 2017 liegen.

Und es gibt weitere positive Zahlen: 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt in den Schwellenländern um 4,1 Prozent gegenüber 1,7 Prozent in den Industrieländern. Nach Einschätzung des Internationale Währungsfonds (IWF) dürfte der Anteil der Schwellenländer am globalen BIP (in US-Dollar gerechnet) von heute rund 39 auf 60 Prozent im Jahr 2035 steigen.

Um dies zu verdeutlichen: Der MSCI Emerging Markets Equity Index erzielte im bisherigen Jahresverlauf eine Rendite von 35 Prozent in US-Dollar. Vor allem der Anstieg des Welthandels begünstige die Rally. Hinzu kamen eine synchron verlaufende Erholung des globalen Wachstums und die Abwertung des US-Dollars. Zumal sind viele Aktien attraktiv bewertet und bieten daher günstige Chancen für eine Ausweitung von Engagements beziehungsweise den Einstieg überhaupt. Neben China stehen Südafrika, Mexiko, Brasilien und die Türkei besonders im Fokus internationaler Investoren.

Daher gehören Schwellenländeraktien in jedes ausbalancierte Portfolio und können dabei helfen, ein mehr an Rendite zu erwirtschaften. Zugleich sollten Anleger sich der Risiken von Schwellenländer-Investments bewusst sein. Besonders politisch gibt es einiges zu beachten. In Mexiko und Brasilien wird gewählt, die Lage in Südafrika ist bisweilen ruppig, und in der Türkei trifft ein überhitzter Markt auf eine immer rigider werdende Regierung mit zum Teil fragwürdigen Tendenzen.

Diese Bewegungen gilt es zu beobachten und einzuordnen. Denn die Politik ist prädestiniert dazu, sich auf den Aktienmarkt auszuwirken. Ebenso sollten Aktionäre die US-Handelspolitik im Blick behalten. Gerade für Mexiko bedeutet diese eine gewisse Unsicherheit, aber ein steigender US-Protektionismus kann auch zu einer generellen Vorsicht bei Schwellenländer-Aktien führen, da die Aussichten für den Export und die Investitionsbereitschaft von Unternehmen sinken könnten. Dann müssen Anleger schnell die richtigen Schlüsse für ihre Depots treffen.