Thomas Straubhaar: „Es gibt keine Alternative zu Sparprogrammen“

Thomas Straubhaar leitet das<br>Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI)

Thomas Straubhaar leitet das
Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI)

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DAS INVESTMENT.com: Kommt die Inflation zurück?

Thomas Straubhaar: Die für dieses Jahr und 2011 erwartete mäßige Erholung in Europa bedeutet, dass die Kapazitäten weiterhin unterausgelastet bleiben und dass sich das auch nur langsam ändern wird. Überdies entwickeln sich die Löhne in Europa wegen der gestiegenen Arbeitslosigkeit sehr moderat. Von daher sind die Spielräume für höhere Preise zunächst gering.

Auf längere Sicht gibt es wegen der expansiven Geld- und Fiskalpolitik gleichwohl Risiken. Inflation würde einsetzen, wenn die Konjunktur kräftig anzieht, zumal dann auch die Rohstoffpreise deutlich steigen werden. Die künftige Inflationsgefahr hängt zudem davon ab, wie der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gelingt. In der Vergangenheit passierte das meist erst verzögert.
DAS INVESTMENT.com: Panische Anleger flüchten in Gold. Machen diese Menschen einen Fehler?

Straubhaar: Eine Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageformen ist grundsätzlich sinnvoll. Ab einer gewissen Größenordnung kann dazu auch Gold gehören. Panik ist aber immer ein schlechter Ratgeber. Was im Moment wohl auch die Nachfrage nach Gold aus Europa verstärkt, ist die Euroschwäche. Gold wird üblicherweise in US-Dollar gehandelt, somit steigt bei nachlassendem Eurokurs auch der Wert von Goldanlagen in Euro. Wenn man in Gold investiert, sollte man aber stets den Markt gut beobachten, da der Goldpreis gegebenenfalls schnell wieder fallen kann.

DAS INVESTMENT.com: Häufig wird davon geredet, dass drastische Sparmaßnahmen die Konjunktur abwürgen könnten. Werden die Staaten ihre Sparprogramme wirklich durchziehen können? Kann die Wirtschaft überhaupt überleben, ohne dass der Staat stimuliert oder wenn er sogar Gewinne schreibt?

Straubhaar: Die in den Euroländern um sich greifenden Sparprogramme werden sicherlich den Erholungsprozess beeinträchtigen. Sie dämpfen einerseits in den jeweiligen Ländern den Konjunkturanstieg, treffen wegen der intensiven Außenhandelsbeziehungen aber auch die anderen Länder. Angesichts der sich eintrübenden Konjunkturerwartungen für Europa wird es daher noch wichtiger, dass die weiter vorangeschrittene Erholung in anderen Teilen der Welt die europäische Wirtschaft mitzieht. Dazu gehören die Schwellenländer, allen voran China, und auch die USA.

So wie die staatlichen Stützungsprogramme in der Krise alternativlos waren, ist auch die Konsolidierung der Staatshaushalte alternativlos. Die Frage ist nur, wann gespart werden soll oder muss. Die Länder, deren Kreditwürdigkeit gefährdet ist, müssen überzeugende Sparprogramme auflegen. Denn sie wollen weiterhin Geld an den Finanzmärkten bekommen und die Zinsen und damit den künftigen Schuldendienst in Grenzen halten.