Thorsten Polleit zum Zinsentscheid Die EZB braut ein gefährliches Gemisch zusammen

Thorsten Polleit

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Wir hatten bereits am 11. September 2015 darauf hingewiesen, dass mit einem Ausweiten der EZB-Anleihekäufe zu rechnen ist und dass sich das Volumen auf mindestens 5 Billionen Euro belaufen könnte. Die Gründe dafür finden Sie hier.  

Sollte die EZB ihren Depositenzins (er liegt derzeit bei -0,2 Prozent) noch weiter in den Negativbereich drücken, würden dadurch die Kapitalmarktrenditen noch stärker als bisher in Richtung der Nulllinie gedrückt, und die Renditen für kürzere Laufzeiten würden noch weiter unter die Nulllinie gezogen.  

Gefährliches Gemisch

Ein Ausweiten der Euro-Geldmengen durch Anleihekäufe, verbunden mit einem weiteren Absenken des Einlagenzinses, wäre ein gefährliches Gemisch, das den Euro-Außenwert sogar letztlich auf historische Tiefstände befördern könnte.  

Euro-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar am 22. Oktober 2015 (Quelle: Bloomberg)

Banken und institutionelle Anleger, die die neu geschaffenen Euro auf ihre Bankkonten gespült bekommen, werden (auch) Anlagen in Fremdwährung tätigen – wie zum Beispiel in US-Dollar-Bankeinlagen und –Schuldpapiere. Dazu werden sie Euro am Devisenmarkt anbieten und Fremdwährung nachfragen. Das übt einen Abwertungsdruck auf den Euro-Außenwert aus.  

Wird die Euro-Geldmenge ausgeweitet, dürfte das zunächst die Preise für das Bestandsvermögen (dazu zählen zum Beispiel Aktien, Grundstücke und Häuser) in die Höhe befördern. Eine Vermögenspreisinflation wäre die Folge.  

Künstlich gesenkte Zinsen verursachen Fehlentwicklungen auf breiter Front: Kapitalverschwendung und Kapitalverzehr. Sie werden nicht für mehr Wachstum und Beschäftigung sorgen, sondern die künftige Wirtschaftsleistung und damit auch die künftigen Realeinkommen im Euroraum schwächen.