Tim Albrecht DeAM-Manager über Dax: "Die Gewinnentwicklung rechtfertigt Rekordhochs"

DeAM-Manager Tim Albrecht: Wir leben in der besten aller Zeiten. | © Andreas Mann

DeAM-Manager Tim Albrecht: Wir leben in der besten aller Zeiten. Foto: Andreas Mann

DAS INVESTMENT: Sie sind gerade aus dem Urlaub zurück. Sind Sie da zum Lesen gekommen?

Tim Albrecht: Nur E-Mails.

Wirklich? Ihre Mutter ist Germanistin.

Meine Frau hat Bücher gelesen. Bei mir hat es nur für E-Mails gereicht. Das ist der Fluch und Segen des Blackberrys. Früher, als es das noch nicht gab, war man abgeschnitten, konnte lesen und kam mit Bauchschmerzen zurück ins Büro, um 14 Tage lang alles abzuarbeiten. Heute sitze ich zwei Stunden am Tag an meinen Mails und komme zurück, und alles ist relativ sauber.

Gibt es Buch-Tipps von Ihrer Mutter?

Meine Mutter erzählt mir, was sie liest. Sie ist auch in einem Buchclub, diskutiert und stellt vor. Aber ich muss leider passen. Es reicht nur zur Fachpresse.

Überrascht Sie das Diesel-Gate deutscher Automobilkonzerne?

Ich habe während der Finanzkrise hautnah mitbekommen, wie die Banken durchleuchtet wurden. Wenn man wirklich jeden Stein umdreht, stößt man in vielen Branchen auf Vorgänge, die man als fragwürdig ansehen könnte. Das Thema gab es im Technologie-Sektor, dann bei den Banken, jetzt ist es der Auto-Sektor. Es gab das Schienen-Kartell und Absprachen im LKW-Bereich. Die Entwicklung jetzt muss man mal abwarten. Komplett überrascht hat sie mich nicht.

Sie hielten den Auto-Sektor jüngst für unterbewertet.

So ist es auch nach wie vor. Es gibt einen deutlichen Bewertungsabschlag zum Gesamtmarkt. Gerade die Zulieferer haben wir übergewichtet. Wir wollen zwar nicht den Helden spielen und uns gegen den Gesamtmarkt stellen, glauben jedoch an Zukunftstechnologien.

Wünschen Sie sich in der deutschen Industrie mehr Innovationskraft, Stichwort Tesla?

Ich wehre mich gegen den Eindruck, Deutschland und deutsche Unternehmen seien nicht innovativ. Das ist Humbug. Es gibt Statistiken über Patentanmeldungen. Da läuft es gerade in unseren Schlüsselindustrien wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der chemischen Industrie oder dem Automobilsektor gut. Auch im deutschen Automobilbau gab es in den vergangenen Jahren eine hohe Zahl an Innovationen, zum Beispiel in der Fahrzeugelektronik. Unternehmen wie SAP oder Siemens haben sich darüber hinaus frühzeitig mit den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 beschäftigt. Da sollten wir also nicht zu streng mit uns selbst sein.