TK-Chef deckt auf Skandal: GKV belohnen Ärzte für Falschdiagnosen

Apothekerin bei der Arbeit: TK-Chef gibt zu, dass Kassen ärztliche Falschdiagnosen fördern | © Getty Images

Apothekerin bei der Arbeit: TK-Chef gibt zu, dass Kassen ärztliche Falschdiagnosen fördern Foto: Getty Images

ARTIKEL-INHALT 

Selbstbeschuldigungen eines Kassenchefs: TK-Chef Jens Baas deckt einen Skandal auf, an dem auch seine Krankenkasse beteiligt ist. Die GKV-Anbieter belohnen Ärzte für Falschdiagnosen, erklärt der Baas im Gespräch mit FAZ.net. „Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen“, so der TK-Chef.

Grund ist der Finanzausgleich zwischen den Kassen. Wer mehr schwerkranke Versicherte hat, bekommt Geld aus dem Risikostrukturausgleich, der hohe und teure Gesundheitsrisiken unter den einzelnen Kassen ausgleichen soll.

„Das bringt 1000 Euro mehr im Jahr pro Fall"

Daher besuchen Kassenvertreter die Ärzte dazu persönlich oder rufen sie an und bitten sie, ihre Diagnose-Codierungen zu „optimieren“. „Aus einem leichten Bluthochdruck wird ein schwerer, aus einer depressiven Stimmung eine echte Depression, das bringt 1000 Euro mehr im Jahr pro Fall“, sagt der TK-Chef. Es gebe auch Verträge mit Ärztevereinigungen, die mehr und schwerwiegendere Diagnosen zum Ziel haben.

Besonders häufig kämen solche Falschdiagnosen bei den Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei psychischen Krankheiten vor, so Baas weiter. „Bei uns hat sich die Zahl der Fälle von Depressionen in den vergangenen vier Jahren vervierfacht. Und das sicher nicht nur, weil die Leute kränker werden und das Problem weniger stigmatisiert wird.“ Und welche Krankenkassen machen das? Alle, auch die TK, so Baas‘ Antwort.