Tod durch Mini-Zinsen Diese Policen ersetzen die klassische Lebensversicherung

Bundeskalzlerin Angela Merkel und der griechische Premierminister Alexis Tsipras: Griechenlangkrise und Euro-Rettung haben die Renditen von deutschen Staatsanleihen auf Tiefstwerte gedrückt. Das trifft auch die Versicherer hierzulande. Foto: Getty Images

Bundeskalzlerin Angela Merkel und der griechische Premierminister Alexis Tsipras: Griechenlangkrise und Euro-Rettung haben die Renditen von deutschen Staatsanleihen auf Tiefstwerte gedrückt. Das trifft auch die Versicherer hierzulande. Foto: Getty Images

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Man konnte sich durchaus wundern. Die Zinsen für Staatsanleihen nahe null, Solvency II am Horizont, hohe Kosten für die Zinszusatzreserve – und trotzdem hielten erstaunlich viele Versicherer erstaunlich lange an der konventionellen Lebensversicherung mit Garantiezins fest. Auch wenn die Renditen zuletzt stetig sanken, hieß es immer noch: „Aber es kommen ja noch Überschüsse dazu.“ „Wo bekommen Sie denn heute noch garantiert 3 Prozent?“ „Die klassische Lebensversicherung bleibt eine attraktive Form der Altersvorsorge.“

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Und nun? Jetzt wird plötzlich doch ein ganz anderes Lied gespielt. Ergo, Zurich, HDI, Generali, Basler – sie alle haben entschieden, das Geschäft mit der konventionellen Lebensversicherung einzustellen. „Warum soll ich als Lebensversicherer Produkte anbieten, von denen ich heute schon weiß, dass sie unprofitabel sind?“, sagt etwa Clemens Muth, Ergo-Vorstand für die Lebens- und Krankenversicherung im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. Schätzungsweise dürften sich weitere Anbieter aus diesem Geschäftsfeld zurückziehen. Denn der Garantiezins wackelt. 2016 wird er wohl noch bei 1,25 Prozent verharren, „aber er könnte weiter unter Druck geraten“, sagt Wilhelm Schneemeier, Chef der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). „Wir haben uns mit unserer Empfehlung für 2016 schon schwergetan. Ohne die Neuordnungen durch Solvency II hätten wir vielleicht eine andere Empfehlung abgegeben.“ Die DAV empfiehlt dem Bundesfinanzministerium jedes Jahr, wie hoch der Garantiezins sein sollte.

Aber nicht nur die Versicherer, auch die Berater wenden sich mehr und mehr vom Produkt ab. So gibt jeder zweite Makler inzwischen an, dass er Policen mit Garantiezins seltener oder viel seltener anbietet als noch vor einem Jahr.