„Trendfolgestrategen erzeugen die aktuelle Aktienrally“

Frankfurter Aktienhändler am 8. August 2011 nach einer wirklich <br> miesen Woche. Zuvor war der deutsche Leitindex Dax in <br> wenigen Tagen um mehr als 1.000 Punkte eingebrochen <br> Quelle: Getty Images

Frankfurter Aktienhändler am 8. August 2011 nach einer wirklich
miesen Woche. Zuvor war der deutsche Leitindex Dax in
wenigen Tagen um mehr als 1.000 Punkte eingebrochen
Quelle: Getty Images

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„Endlich ist die Stimmung etwas besser“ – es ist dieser Satz, der auf dem Fondskongress in Mannheim Ende Januar durch die Gänge und Stände schwebt. Es geht wieder was in der Investmentbranche. Die Stände sind gut besucht. Standbetreuer haben abends wunde Füße und trockene Zungen vom Reden.

Das will so gar nicht zum nachrichtlichen Umfeld passen. Tatsächlich zeigen Märkte, Psychologie und wirtschaftliche Realität ein diffuses Bild. Schließlich stecken Europa und – schon fast vergessen – die USA in einer Schuldenkrise, gepaart mit enormen wirtschaftlichen Problemen.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s pflügt durch die Eurozone und stuft Kreditwürdigkeiten gleich paketweise herab. Griechenland ist faktisch pleite, und Portugal steht im Schussfeld. Trotzdem machten sich europäische und amerikanische Aktien Mitte Dezember zu einem flotten Aufschwung auf. Um 15 Prozent ging es für den Dax bis Ende Januar empor.

„Das ist eine interessante Rally, weil die Probleme noch immer nicht gelöst sind“, stellt Thorsten Hens mit Blick auf die Januar-Bewegung fest. Der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Zürich beschäftigt sich mit der Psychologie der Finanzmärkte, also Behavioral Finance, und berät in dieser Angelegenheit etwa die dänische Fondsgesellschaft Sparinvest. „Derzeit steigen viele Trendfolgestrategen ein. Die erzeugen diese Rally“, sagt Hens.

Miese Stimmung unter Profis

Privatanleger seien dagegen kaum investiert. Auch die Umsatzvolumen seien sehr niedrig. Deshalb gebe er nicht viel auf den aktuellen Trend. „Ich fürchte, es ist nur eine technische Bewegung, die schon beim nächsten Politikertreffen wieder kippen kann.“ Vorsicht sei deshalb keine schlechte Idee.

Die aktuelle Lage lässt sich mit technischen Vorgängen erklären. „Viele institutionelle Anleger sind auf dem falschen Fuß erwischt worden“, sagte Joachim Goldberg. „Sie hatten sich eigentlich zu Recht negativ positioniert“, so der Experte vom Behavioral-Finance-Spezialisten Cognitrend.

Sein Unternehmen veröffentlicht regelmäßig den Bulle-Bär-Index, eine Umfrage unter 150 institutionellen Anlegern. Und unter denen ist die Stimmung im Januar so mies wie seit Juni nicht mehr. „Vielen ist der jüngste Kursanstieg in einem eher schwierigen ökonomischen Umfeld nicht ganz geheuer“, heißt es in der aktuellen Marktanalyse.

Allerdings habe sich die breite Masse mittlerweile auch an die schlechten Nachrichten gewöhnt. Oder mit Joachim Goldbergs Worten: „Wir sind abgestumpft.“ Tendenziell sehe er weiteren Spielraum für Kursgewinne.

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