Trotz Griechenland-Problematik Fondsmanager sind heiß auf europäische Aktien

Norman Boersma, Manager des Templeton Growth (Euro) Fund

Norman Boersma, Manager des Templeton Growth (Euro) Fund

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Der Ausblick für Europa sieht so gut aus wie seit 2009 nicht mehr. Das ist das Ergebnis des jüngsten Global Growth Outlook von Bank of America Merril Lynch. Demnach glauben 81 Prozent der befragten Fondsmanager, dass die europäische Wirtschaft dieses Jahr wachsen wird. Deshalb haben 51 Prozent Europa als Top-Region für Aktien über einen 1-Jahres-Horizont gewählt. Im Januar waren es lediglich 18 Prozent. 55 Prozent sind hier bereits übergewichtet. Vor allem auf die Eurozone sind die Investoren ganz wild. Märkte außerhalb des Euros sind hingegen nicht sonderlich beliebt. Im vergangenen Monat sahen die Manager noch Frankreich und Italien als schlechteste Länder an, nun wollen 42 Prozent Großbritannien und die Schweiz dieses Jahr untergewichten. Auch Schweden stehen sie eher pessimistisch gegenüber.

Das Geld, das die Investoren in Europa stecken, ziehen sie laut der Umfrage vor allem aus den USA ab. Hier haben lediglich noch 6 Prozent ein Übergewicht in Aktien. Damit verloren US-Papiere 19 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat.

Stephen Thornber, Portfoliomanager des Threadneedle Global Equity Income Fund

„Wir haben europäische Aktien übergewichtet“, bestätigt Stephen Thornber, Portfoliomanager des Threadneedle Global Equity Income Fund. „Die jüngsten Umschichtungen in europäische Werte haben wir finanziert, indem wir US-Aktien auf neutral heruntergestuft haben.“ Der US-Aktienmarkt sei inzwischen relativ hoch bewertet, wenn man seine Outperformance betrachte. Aber auch der Einfluss des stärkeren Dollars auf die US-Unternehmensgewinne sei beunruhigend. „Europa hingegen profitiert von einigen Ereignissen, die für deutlichen Rückenwind sorgen“, so Thornber weiter. „Dazu gehören ein schwächerer Euro, niedrigere Ölpreise und das EZB-Programm zur quantitativen Lockerung.“ Es sei gut möglich, dass das europäische BIP-Wachstum in diesem Jahr erstmals nach vielen Jahren wieder nach oben korrigiert wird. „Die europäischen Unternehmensgewinne werden durch eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit infolge der schwächeren Währung unterstützt, und die Bewertungen sind relativ attraktiv“, erklärt Thornber. „Interessanterweise sind die Gewinnkorrekturen in Europa gerade in den positiven Bereich gedreht, wenn auch nur schwach.“

In Europa gefallen dem Portfoliomanager des Threadneedle Global Equity Income Fund vor allem globale Marken und multinationale Konzerne. „Das deutsche Premium-Bekleidungsunternehmen Hugo Boss zum Beispiel ist gering verschuldet, und ein starker Cashflow ermöglicht hohe Dividendenausschüttungen“, geht Thornber ins Detail. „Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 4 Prozent, Gewinn und Dividende dürften um 13 Prozent zulegen.“

Ken Van Weyenberg, Anlagespezialist Asset Allocation bei Candriam


„Die Europäische Zentralbank beginnt mit Quantitative Easing und das Wachstum zieht allmählich an“, sagt Ken Van Weyenberg, Anlagespezialist Asset Allocation bei Candriam Investors Group. „Bislang ist es in den Kursen noch nicht eingepreist.“ Bei einer Risikoprämie in Höhe ihres langfristigen Durchschnitts und dem derzeitigen Trendwachstum von 1 Prozent seien Aktiengewinne von über 20 Prozent möglich. „Hinzu kommt, dass europäische Aktien noch nicht zu hoch bewertet sind, insbesondere im Vergleich zu Anleihen, deren Renditen so niedrig sind wie selten“, ergänzt Van Weyenberg. US-Aktien seien hingegen mittlerweile fair bewertet.