Trotz Kursschwankungen „Schwellenländer dürfen im Portfolio nicht fehlen“

Ken Van Weyenberg, Anlagespezialist bei Candriam Investors Group

Ken Van Weyenberg, Anlagespezialist bei Candriam Investors Group

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Seit Jahresbeginn haben die Schwellenländer einige Kursschwankungen durchlaufen. Grund dafür waren vor allem die geopolitischen Spannungen, die die Märkte derzeit beeinflussen. Angefangen bei der Ukraine-Krise und den westlichen Sanktionen gegenüber Russland bis hin zu den vom Islamischen Staat verursachten Unruhen im Irak.

Als langfristiger Anleger ist es wichtig, über die kurzfristigen Unsicherheiten hinaus zu blicken und zur Basis – den Fundamentaldaten – zurückzukehren, um eine Anlageentscheidung zu treffen.

Fundamentaldaten als roter Faden

Der IWF senkte in den vergangenen Jahren die Konjunkturerwartungen der wichtigsten Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Russland, Südafrika und China. Diese Korrekturen stehen im Zusammenhang mit einem möglicherweise rückläufigen langfristigen Wachstum.

Ein weniger starkes langfristiges Wachstum als ursprünglich erwartet bedeutet jedoch keinen Stillstand. Die Schwellenländer nehmen aufgrund ihihres Wachstumsvorteils gegenüber den Industrieländern noch immer jedes Jahr eine dominantere Rolle in der Weltwirtschaft ein.

Der IWF geht für die kommenden zwei Jahre von einem Wachstum von ungefähr 5 Prozent für die Schwellenländer aus, während sich die Industrieländer bereits mit einem Wachstum von ungefähr 2 Prozent im Jahr 2014 begnügen müssen (IWF, World Economic Outlook vom Juli 2014), wie die zugehörige Grafik zeigt. Darüber hinaus entwickeln sich die Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität (PMI) der Industrie in den verschiedenen Schwellenländern, darunter Indien, Mexiko und China, weiterhin in eine positive Richtung.



Zusätzlich zum besseren Wachstumsprofil sorgt die geringe Staatsverschuldung der Schwellenländer im Vergleich mit den Industrieländern für einen erheblichen Vorteil. Die Leistungsbilanzdefizite sind seit Mai 2013 in einigen Schwellenländern stark zurückgegangen, und zwar unter anderem in Brasilien und Indien, Mexiko, Indonesien und sogar Südafrika.

Darüber hinaus weisen viele Schwellenländer ein Plus in der Leistungsbilanz auf, darunter China, Südkorea, Malaysia, Taiwan und die Philippinen. Der Verschuldungsgrad der Schwellenländer hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen: Ende 2013 betrug der Verschuldungsgrad (hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts) der Schwellenländer weniger als 40 Prozent gegenüber einem Wert von noch ungefähr 50 Prozent im Jahr 2004.

Dies steht in krassem Gegensatz zu den Industrieländern, wo der Verschuldungsgrad im vergangenen Jahr stark gestiegen ist. So ist dieser Wert in der Eurozone seit 2004 von 70 Prozent auf fast 100 Prozent des BIP angewachsen.