Trotz Problemen bei Kapital und Kosten Deutsche-Bank-Aktionäre haben wieder Grund zum Jubeln

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank | © Getty Images

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Foto: Getty Images

Doch das bedeutet nicht, dass alle Probleme bei der größten deutschen Bank ausgeräumt sind.

Kosten im Zusammenhang mit Fehlverhalten, die höchsten unter europäischen Banken, haben Jahre an Gewinnen ausradiert und es für die Bank schwieriger gemacht, künftige aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen zu erfüllen.

Cryan will es vermeiden, Aktionäre anzuzapfen. Er verkauft stattdessen lieber Aktiva und reduziert zudem den kapitalintensiven Anleihehandel. Das Problem dabei: Die Aktiva der Bank bringen lange nicht so viel ein, wie von dem Unternehmen erhofft, und die Anleihe-Händler erzielen den größten Anteil an den Erlösen des Konzerns.

„Es gibt derzeit bei Bank-Aktien eine Menge Euphorie. Doch die Deutsche Bank steht noch immer vor Herausforderungen“, sagte Analyst Philipp Hässler von der Equinet Bank, die den Titel mit Neutral bewertet. „Es sollte ihnen möglich sein, eine Kapitalerhöhung zu vermeiden, wenn ihre Rechtskosten nicht zu hoch sind. Aber dafür müssen sie Geld verdienen. Wir werden in den kommenden Quartalen sehen, ob sie das können.“

Die Bank wird am Donnerstag dieser Woche wahrscheinlich einen Nettoverlust von rund 1,35 Milliarden Euro für das vierte Quartal berichten, wie eine Umfrage von Bloomberg unter elf Analysten zeigt. Berücksichtigt sind 1,3 Milliarden Dollar an Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und eine Belastung von 800 Millionen Dollar im Zusammenhang mit dem Verkauf von Abbey Life. Gleichzeitig dürfte das Unternehmen den Prognosen zufolge von einer Beschleunigung der Erlöse aus dem Festverzinslichen-Handel profitiert haben, wenn auch nicht so stark wie die US-Konkurrenten.

Russland-Einigung

Die Bank kam diese Woche einen Schritt weiter bei der Klärung ihrer Rechtsstreitigkeiten und einigte sich mit Behörden in den USA und Großbritannien auf die Zahlung von insgesamt rund 587 Millionen Euro. Damit wurden Untersuchungen wegen des Vorwurfs der Geldwäsche in Geschäftsstellen in Moskau, London und New York beigelegt. „Die Summe ist von den vorhandenen Rückstellungen für Rechtsrisiken weitgehend abgedeckt“, erklärte die Bank in einer Stellungnahme zu beiden Einigungen. Bei den verbleibenden Untersuchungen zu diesen Wertpapiergeschäften mache das Kreditinstitut „Fortschritte“.