Türkei-Experte von Deutsche Asset Management Was das Verfassungsreferendum für die Anleger bedeutet

Türkischer Präsident Erdogan während einer Ansprache in Ankara am Tag nach der Volksabstimmung | © Getty Images

Türkischer Präsident Erdogan während einer Ansprache in Ankara am Tag nach der Volksabstimmung Foto: Getty Images

Angesichts des Abstimmungsergebnisses in der Türkei dürfte die gesamtwirtschaftliche Lage in dem Land solide bleiben – trotz gradueller Verschlechterungen beim Haushaltsdefizit von derzeit gut zwei Prozent. Das sagt Sebastian Kahlfeld, Leiter Aktien für Zentral-Osteuropa, den Mittleren Osten und Afrika, bei Deutsche Asset Management.  

Eine Rückkehr zu einer mehr nachhaltigen und auf wirtschaftliche Reformen ausgerichteten Politik lasse bisher auf sich warten. Seit dem gescheitereten Putschversuch im Juli 2016 beruft sich Präsident Erdogan auf Notstandsverordnungen. Nach Einschätzung Kahlfelds dürften diese auch nach dem Referendum zunächst weiter in Kraft bleiben.

Von der Situation profitieren könnten Unternehmen aus den Bereichen Infrastruktur, Immobilien, Konsum dem staatlichen türkischen Bankensektor, glaubt Kahlfeld. Für die nähere Zukunft rechnet der Marktspezialist mit einem seitwärts tendierenden Aktienmarkt in der Türkei. Auch der langfristige Ausblick bleibe angesichts der  Unsicherheit über die weitere Entwicklung verhalten.

Doch Kahlfeld sieht auch interessante Investmentchancen: Insbesondere Unternehmen mit hohen Auslandumsätzen und Sektoren, die von staatlicher Unterstützung profitieren, seien angesichts relativ niedriger Bewertungen am türkischen Aktienmarkt derzeit attraktiv, findet Kahlfeld.

Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent der Wähler hat am Wochenende für eine Änderung der Verfassung in der Türkei gestimmt. Damit steht dem Land der Weg offen zu einem Präsidialsystem, das dem Präsidenten weit mehr Machtbefugnisse als bisher einräumt. Die Änderungen sollen bis zu den kommenden Präsidenten- und Parlamentswahlen 2019 schrittweise umgesetzt werden.