UBS AM-Anleihenexperte „Passive Renten-Strategien bieten kein attraktives Risiko-Return-Verhältnis mehr“

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In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagpotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Detlev Kleis (Foto: Uwe Noelke / Ricarda Piotrowski): Die Kurse von Euro-Staatsanleihen mit sehr guter Bonität lassen sich durch die Fundamentaldaten nicht mehr rechtfertigen. Hier liegt aus unserer Sicht eine Blase vor. Da die Preise vieler Euro-Anleihen mit guter Bonität – von Pfandbriefen bis hin zu Unternehmensanleihen – sich an den Preisen von Staatsanleihen orientieren, sehen wir auch hier ein signifikantes Rückschlagpotenzial.

Die Zentralbanken haben mit ihrer expansiven Geldpolitik stark an der Entstehung dieser Blase beigetragen. Solange aber die EZB und andere Zentralbanken an ihrer akkommodierenden Politik festhalten, sind deutliche Rückschläge wenig wahrscheinlich. Allerdings würden wir Anleihen mit sehr langer Restlaufzeit meiden.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

Wir rechnen damit, dass die Fed ihren Zinsanhebungskurs fortsetzen wird, allerdings in sehr langsamem Tempo. Ob es dieses Jahr noch zu einer Zinserhöhung kommt, ist noch nicht ausgemacht. Für die Kursentwicklung von US-Treasuries wird entscheidend sein, wie die weitere Konjunktur- und Inflationsentwicklung verläuft.

Sollte sich abzeichnen, dass die Fed ihr Tempo der Zinsanhebungen steigern wird, kann dies zu deutlichen Kursverlusten bei US-Treasuries führen. Eine solche Entwicklung sehen wir jedoch eher als Risikoszenario. Für wahrscheinlicher halten wir, dass das aktuelle Umfeld mit moderatem Wachstum und mäßigen Preissteigerungen vorerst bestehen bleibt.