UBS-Fondsmanager „Investoren sollten sich Gedanken über Inflation machen“

Trendwende bei der Preisentwicklung: Die in den zurückliegenden Jahren niedrigen Verbraucherpreise haben wieder den Weg nach oben angetreten. Am weitesten fortgeschritten ist dieser Anstieg in den USA.

Trendwende bei der Preisentwicklung: Die in den zurückliegenden Jahren niedrigen Verbraucherpreise haben wieder den Weg nach oben angetreten. Am weitesten fortgeschritten ist dieser Anstieg in den USA.

Philip Brides, UBS AM

Bestandsaufnahme: In den USA stiegen die Preise im Januar um 0,6 und im Februar um 0,1 Prozent. Und auch im Euroraum und in Großbritannien regt sich die Inflation. Bis jetzt hat nur die US-Notenbank (Fed) mit höheren Leitzinsen reagiert und weitere Anhebungen angekündigt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt ihrer expansiven Linie dagegen bislang treu. Die Bank von England beließ die Leitzinsen ebenfalls unverändert, signalisierte aber einen möglichen Zinsschritt.

In China stiegen die Verbraucherpreise im Januar um 2,5 Prozent gegenüber Januar 2016, im Februar jedoch nur um 0,8 Prozent. Chinas Zentralbank erhöhte daraufhin verschiedene kurzfristige Zinsraten. In anderen Schwellenländern sollte die Inflation aus unserer Sicht unter Kontrolle bleiben.

Investoren suchen nach höheren Renditen

Steigen die Preise von Gütern und Dienstleistungen, suchen Investoren nach höheren Renditen für ihre Anlagen. Investoren sollten sich also Gedanken über die Inflation machen. Fürchten müssen sie sie aber nicht unbedingt. Eine moderate Inflation ist ein typisches Zeichen für eine wachsende Wirtschaft. Und wenn die Wirtschaft wächst, geben Unternehmen und Verbraucher wahrscheinlich mehr Geld aus, während Löhne und Gehälter steigen.

Auf der anderen Seite kann die Nachfrage das Angebot übersteigen, wenn die Wirtschaft zu schnell in zu kurzer Zeit expandiert. Dann klettern die Preise weiter, ebenso die Löhne – Voraussetzung für eine schwer zu kontrollierende Preissteigerungsspirale.

2 weitere Zinserhöhungen angekündigt

Außer dem Verbraucherpreisindex betrachtet die Fed auch den Index für persönliche Konsumausgaben (PCE), der die Ausgaben der Haushalte in den USA misst. Dieser Index ist seit Januar 2016 um 1,9 Prozent gestiegen und hat damit das Inflationsziel der Fed von 2 Prozent fast erreicht –zum ersten Mal seit April 2012.

Wenn der PCE-Index sich auf 2 Prozent einpendelt, sind weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich, und zwar früher als erwartet. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen erwartet eine weitere Verbesserung des Arbeitsmarkts und der Wachstumsrate und hat daher bereits zwei weitere Zinserhöhungen um 25 Basispunkte in diesem Jahr angekündigt.

Die Inflation nähert sich der Zielrate

In Großbritannien berichtete das nationale Statistikbüro einen Anstieg um 1,8 Prozent im Januar, ausgehend von 1,6 Prozent im Dezember 2016. Auch hier nähert sich die Inflation der Zielrate von 2 Prozent an. In Deutschland stieg die Inflation mit 2,2 Prozent im Februar so stark wie zuletzt vor über vier Jahren. Das liegt schon über der von der EZB angestrebten Rate von knapp unter 2 Prozent.

Trotz der erhöhten politischen Unsicherheit deutet die wieder erwachte Inflation auf einen allgemeinen Wachstumsschub in Großbritannien und im Euroraum hin.

In Japan ist Inflation kaum zu spüren

Nur in Japan ist von Inflation kaum etwas zu spüren: Dort stiegen die Preise im Januar – nach 13 Monaten – um lediglich 0,1 Prozent. Aus unserer Sicht ist die Inflation nicht besorgniserregend hoch. Dennoch kann sie mit der Zeit Ersparnisse und Portfolio-Erträge zunichtemachen.

Investoren tun daher gut daran, höhere reale Erträge anzustreben. Zum Beispiel mit einem breit über verschiedene Anlageklassen diversifizierten Portfolio, dessen Gesamtkostenquote unter einem Prozent pro Jahr und damit deutlich unter der derzeitigen Inflationsrate liegt.