UBS-Volkswirt im Interview Felix Hüfner: So wird die europäische Zinswende aussehen

Felix Hüfner zählt zu den  profiliertesten Volkswirten Europas.  Er ist Senior-Volkswirt für Europa  und Chefvolkswirt  für Deutschland bei der UBS Investmentbank.

Felix Hüfner zählt zu den profiliertesten Volkswirten Europas. Er ist Senior-Volkswirt für Europa und Chefvolkswirt für Deutschland bei der UBS Investmentbank.

DAS INVESTMENT: Sie haben längere Zeit in Frankreich gelebt. Nun hat der europäische Gedanke durch die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten einen starken Fürsprecher erhalten.

Felix Hüfner: Die französische Wirtschaft wurde innerhalb Europas in den letzten Jahren kritisch gesehen, da das Wachstum dem der anderen Mitgliedsstaaten hinterherhinkte. Aber man hat übersehen, dass Frankreich viele positive Fundamentalfaktoren hat – zuallererst eine sehr wachstumsfreundliche Demografie. Die Franzosen bekommen im Schnitt mehr Kinder als andere in Europa, die Kinderbetreuung ist erstklassig und die steuerliche Förderung zielgerichtet. Das alleine sollte mittelfristig zu einem größeren Wachstum in Frankreich als zum Beispiel in Deutschland führen und ist zunächst mal unabhängig vom neuen Präsidenten. Wenn Macron aber darüber hinaus noch Strukturreformen durchführt, ist das natürlich doppelt positiv für den Ausblick.

Demografie Jungspund Frankreich
                                                                                             Quelle: Haver, UBS

Sprechen wir über Europa im globalen Konjunktur-Konzert. Wie haben Sie die vergangenen zwölf Monate wahrgenommen?

Hüfner: Vor einem Jahr war die Frage, wie stark wir unsere Prognosen nach unten revidieren müssen. China war ein Problem, das US-Wachstum wurde skeptisch gesehen, und die Aktienmärkte gingen zurück. Dieses Jahr erleben wir das Gegenteil.

Was hat sich geändert?

Hüfner: Die Stabilisierung des Ölpreises ist sicher ein wichtiger Faktor. Das hat den Schwellenländern geholfen, ebenso wie die Stimulierung der Wirtschaft in China. In Europa hat sich die Lage weiter verbessert, die Arbeitslosigkeit sinkt, der Konsum steigt. Der Euro ist unterbewertet, Zinsen sind niedrig, und Öl ist immer noch preiswert. Das alles zusammengenommen bringt uns diese Dynamik und ein positives Bild.

Gestern Untergang und heute Aufbruch: Sind Marktteilnehmer, Analysten, aber auch die Medien zu gierig nach Information und verlangen stets eine – mitunter zu eilige – Einschätzung?

Hüfner: Märkte sind nun mal volatil, und Sie dürfen auch nicht vergessen, dass wir die vergangenen Monate Ereignisse hatten, die stets in die eine oder andere Richtung hätten ausgehen können. Politische Ereignisse sind sehr schwer einzuschätzen. Durch Brexit, die US- oder die Frankreich-Wahl kann man nicht ohne Weiteres durchgucken. Da werden zum Teil fundamentale Entscheidungen getroffen.