Überhitzt der Markt für Hochzinsanleihen?

Chris Brils von der Investmentgesellschaft F&C

Chris Brils von der Investmentgesellschaft F&C

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In den ersten Monaten dieses Jahres gab es einen Rekord-Zufluss in die Anlagenklasse der Hochzinsanleihen. Allein in der ersten Aprilwoche wurden weltweit 1,47 Milliarden US-Dollar in Hochzinsanleihen investiert. Das ist der größte Geldzufluss in einer Woche, der jemals erfasst wurde.

Investoren fragen sich mittlerweile, ob die Gefahr einer Überhitzung besteht oder ob Hochzinsanleihen jetzt als eine konventionelle und etablierte Anlagenklasse angesehen werden können.

Eigentlich sollte der jüngste Anstieg keine Überraschung sein, angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Anlagenklassen, eingeschlossen der so genannten sicheren Häfen, die Auswirkungen der 2007 beginnenden Finanzkrise nicht vermeiden konnte.

Es ist vollkommen gerechtfertigt, dass Investoren in einer Zeit von niedrigen Leitzinsen einen Blick auf Hochzinsanleihen werfen, die gute, risiko-adjustierte Rendite und niedrige Korrelationen mit Staatsanleihen und Aktien bieten.

Die Asset-Klasse profitiert momentan von positiven makroökonomischen Entwicklungen und verbesserten Kreditkennzahlen. Größter Treiber auf dem Markt für Hochzinsanleihen ist das wirtschaftliche Wachstum. Sowohl in den USA als auch in Kerneuropa steigen die BIP-Zahlen stetig. Zwar ist die Erholung momentan noch sehr fragil, aber Unternehmen planen weitere Investitionsausgaben in diesem Jahr.

Neben den Wirtschaftskennzahlen wirken sich auch die unerwartet guten Unternehmensgewinne positiv auf den Markt für Hochzinsanleihen aus. Viele Konzerne haben die Erwartungen in den vergangenen Monaten übertroffen und prognostizieren positive Ergebnisse für 2011 und 2012. Trotz einer bereits niedrigen Ausfallquote und der Erholung der Wirtschaft gibt es immer noch Potenzial für weitere Spread-Einengungen. Es ist aber der höhere Ertrag, der Hochzinsanleihen jetzt attraktiv erscheinen lässt.

Der europäische Markt für Hochzinsanleihen ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Er hat heute ein Volumen von rund 250 Milliarden US-Dollar. Das ist ein beachtlicher Anstieg gegenüber 2002, als das Volumen lediglich 25 Milliarden Dollar betrug.