Ufuk Boydak und Christoph Bruns Was bedeutet die Zinswende in den USA für europäische Aktienanleger?

: Ufuk Boydak (l.) und Christoph Bruns (r.), Vorstandsmitglieder der Fondsboutique Loys: „An den Aktienmärkten sind die Entwicklungen für die Zinsmärkte durchaus nicht unbeachtet geblieben“.

: Ufuk Boydak (l.) und Christoph Bruns (r.), Vorstandsmitglieder der Fondsboutique Loys: „An den Aktienmärkten sind die Entwicklungen für die Zinsmärkte durchaus nicht unbeachtet geblieben“.

Die Kapitalmarktzinsen in den USA sind seit 35 Jahren tendenziell gefallen. Im Nachgang der amerikanischen Subprime-Krise, die sich dann zu einer weltweiten Finanzkrise auswuchs, wurden die Kurzfristzinsen auf historische Tiefstände gesetzt. Für die langfristigen Zinsen ließ sich die amerikanische Notenbank Fed den Namen `Quantitative Easing´ einfallen. Dahinter verbarg sich der Aufkauf von Anleihen im Wert von ca. 4.500 Milliarden Dollar. Inzwischen wurden die Anleihekäufe eingestellt und die kurzfristigen Zinsen mehrfach leicht angehoben. Zudem wurde der Vorsitz der US-Notenbank neu bestellt.

Sind höhere Zinsen automatisch schlecht für Aktieninvestments?

Für die Aktienbörsen stellten die Jahrzehnte andauernden Zinssenkungen eine prächtige Begleitmusik dar. In mindestens dreifacher Hinsicht spielt die Zinsentwicklung eine zentrale Rolle für die Attraktivität von Aktien. Erstens stellen langfristige Anleihen per se die wichtigste Anlagealternative zur Aktienanlage dar. Zweitens werden künftige Unternehmensgewinne im Rahmen der Aktienanalyse auf den heutigen Bewertungstag abgezinst. Daher gilt: Je höher die Zinsen, desto weniger wert sind künftige Unternehmensgewinne. Und drittens weisen die meisten Unternehmen zinstragende Verbindlichkeiten auf, so dass mit schwächeren Finanzergebnissen der Unternehmen zu rechnen ist.

Von großer Bedeutung ist nunmehr die Frage, wie schnell und auf welches Niveau die Zinsen in den USA steigen werden. Von der Beantwortung dieser Frage wird abhängen, wie nervös die Aktienmärkte auf die Entwicklung reagieren. Ein sprunghafter Anstieg der Zinsen könnte Unruhe an die Märkte bringen. Daran kann der Notenbank und der Regierung nicht gelegen sein. Zudem werden steigende Zinsen Konsequenzen für den Immobilienmarkt und die Kreditvergabe aufweisen. In den USA, wo nahezu alle höherwertigen Wirtschaftsgüter finanziert werden, spielt dieser Faktor eine herausgehobene Rolle. Zwar läuft die amerikanische Konjunktur derzeit ganz passabel und am Arbeitsmarkt spricht man von Vollbeschäftigung; allerdings könnten höhere Zinsen den kreditfinanzierten Konsum ins Stottern bringen. Daran wird auch die im Dezember verabschiedete Steuerreform, die vornehmlich eine Unternehmenssteuerreform war, nur wenig ändern. Klar ist aber, dass die US-Notenbank für das laufende Jahr drei Zinserhöhungsschritte angekündigt hat.

Was bedeutet der Zinsanstieg in den USA für Europa?

In Europa sieht das Bild anders aus. Der alte Kontinent konnte sich nicht so schnell erholen wie Nordamerika und hat besonders in den Südländern das Vorkrisenniveau beim Bruttosozialprodukt noch nicht wieder erreicht. Daher verspürt die europäische Notenbank keinerlei Eile, Amerika zu folgen und die Zinsen im Euroraum anzuheben. Es bleibt nach Aussage der EZB also noch für geraume Zeit bei der Politik negativer Realzinsen. Zugleich spricht aber vieles dafür, dass auch Europa die Tiefstände bei den Zinsen, vor allem bei den Anleihezinsen, mittlerweile hinter sich gelassen hat.

Für die Aktienmärkte heißt das nun, der Einzeltitelselektion volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das Fondsmanagement von Loys wird etwa die Frage nach der Zinssensitivität der gehaltenen Aktien verstärkte Aufmerksamkeit zuwenden: „Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass erhöhte Kursschwankungen an den Börsen durchaus auch Anlagechancen mit sich bringen.“