Uhren als Geldanlage „5 bis 15 Prozent Rendite sind möglich“

Uhren-Fachmann Oliver Hoffmann, Auctionata

Uhren-Fachmann Oliver Hoffmann, Auctionata

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DAS INVESTMENT: Sie sagen, man sollte nur innovative Uhren als Geldanlage kaufen. Was versteht man darunter?

Oliver Hoffmann: Eines der größten Missverständnisse ist, dass sich innovativ hier eben nicht nur auf technische Neuerungen bezieht. Es geht vielmehr darum, ob ein Produkt auch nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Dabei geht es größtenteils um die Marke. Bei Patek Philippe oder Rolex weiß man, dass sind etablierte Marken. Wenn Sie eine Uhr einer komplett neuen Marke sofort nach Erscheinen neu kaufen, gehen Sie hingegen ein Risiko ein.

Wie sollte ein Finanzberater sinnvoll in diesen Markt einsteigen? Sollte er sich zunächst auf die „Blue Chips“ der Uhrenindustrie beschränken?

Ich rate immer dazu, als erstes gute Fachbücher als Grundlage zu lesen, etwa zur Geschichte von Patek Philippe oder von Rolex. Es gibt auch einige wenige gute Bücher über den Uhrenmarkt an sich, zum Beispiel meines. Fachmagazine sind hingegen nur beschränkt aussagefähig, weil es hier vorwiegend um Trends und neue Marken geht. Sie richten sich eher an Sammler und nicht an professionelle Investoren. Ansonsten schadet es nicht, nah am Markt zu sein. Besuchen Sie die Baselworld, die Weltmesse für Uhren in der Schweiz und beobachten Sie den Auktionsmarkt. Der Sekundärmärkt spielt nämlich eine wesentlich größere Rolle als in anderen Anlageklassen.

Warum ist das so?

Der Sekundärmarkt konstituiert gewissermaßen den Primärmarkt. Es gilt die Regel: Was am Sekundärmarkt erfolgreich ist, wird auch am Primärmarkt erfolgreich bleiben. Wenn Sie Auktionen beobachten, lernen sie sehr viel darüber, wie der Markt funktioniert. Ich rate davon ab, Uhren über Konzessionäre direkt nach der Auflage zu erstehen – bei den Herstellern können sie ohnehin nur in wenigen Ausnahmefällen kaufen. In den Neupreisen ist meist ein sehr üppiger Aufschlag enthalten. Das lässt sich mit einem Neuwagen vergleichen, der mit dem ersten gefahrenen Kilometer gleich 10.000 Euro verliert. Bei Uhren ist das ähnlich. Hier gibt es aber im Sekundärmarkt auch ungetragene Uhren, insofern kaufen sie dort faktisch ein neuwertiges Produkt.

Welche Rolle spielen getragene Uhren? Begründet das Tragen nicht einen zu großen Wertverlust.

Wenn Sie die Uhr nicht im perfekt neuwertigen Zustand gekauft haben, macht es keinen so großen Unterscheid, wenn Sie sie ab und zu sorgfältig tragen. Uhren sind eigentlich sehr robust. Und jeder sollte Freude daran haben, eine schöne Uhr auch zu benutzen. Natürlich ist es angeraten, die Uhr ordentlich zu versichern. Das Tragerisiko lässt sich problemlos und gar nicht so teuer bis hin zu 100.000 Euro absichern. Das Schöne an mechanischen Uhren – anders als bei Quarzuhren – ist, dass sie immer mit wenigen 1.000 Euro repariert und in den Neuzustand versetzt werden können.

Was sind die üblichen Anfängerfehler von Investoren?


Zu viele verschiedene Marken kaufen und zu sehr kaufen, was einem gefällt. Denn das darf nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Man lässt sich am Anfang zu sehr vom Preis blenden, das bedeutet man kauft schnell etwas Seltsames, weil man sich sagt „Eine Golduhr für 3.000 Euro ist doch günstig“. Die Finanzexperten haben das Prinzip der breiten Streuung der Anlagen im Kopf, aber das gilt hier eben nur sehr bedingt. Man muss die Preise gut kennen, daher sollte man am Anfang nicht zu schnell kaufen.  Insbesondere bei Mängeln und einem entsprechend günstigen Preis sollte man die Finger davon lassen. Ein weiterer Fehler ist wie erwähnt der Kauf im Primärhandel.

Die Schweiz ist ein wichtiger Herstellermarkt. Hatte die Freigabe des Wechselkurses des Schweizer Franken Auswirkungen auf die Branche?

Die Schweizer Hersteller gehen ganz unterschiedlich damit um, dass sich ihre Produkte um einen Schlag deutlich verteuert haben. Die Neupreise in Europa steigen ohnehin von Jahr zu Jahr und in diesem Jahr eben stärker als sonst. Manche Marken wie Patek Philippe haben allerdings eine internationale Preisanpassung durchgeführt. Das heißt, sie haben in Europa zwar die Preise erhöht, aber anderswo den Preis gesenkt, sodass nun weltweit die gleichen Einkaufspreise gelten. Das kommt den Herstellern entgegen, weil sie zunehmend gegen Arbitragemodelle vorgehen. Im Markt herrscht eine sehr hohe Zahlungsbereitschaft, daher wird sich der hohe Frankenkurs nicht nachhaltig auswirken. Der Sekundärmarkt ist ohnehin ziemlich unabhängig vom Schweizer Franken.