Umfrage unter deutschen Anlegern „Risikoaversion in deutscher Gesellschaft tief verwurzelt“

Umfrage unter deutschen Anlegern: „Risikoaversion in deutscher Gesellschaft tief verwurzelt“ | © Kaique Rocha

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Klaus Dahmann, Legg Mason

Für die aktuelle Ausgabe der jährlich durchgeführten Umfrage des Multi-Boutiquen-Hauses mit Hauptsitz in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland wurden insgesamt 15.300 Anleger in 17 Ländern befragt, darunter 900 deutsche Investoren. Mit dieser Zufriedenheit heben sich die Investoren hierzulande laut Legg Mason deutlich von den weltweit befragten Anlegern ab, denn in keinem anderen Land sind die Ergebnisse so deutlich. Global bereuen lediglich 32 Prozent der Befragten keine ihrer Anlageentscheidungen. Der Rest ärgert sich beispielsweise über ein falsches Markttiming (17 Prozent), verpasste Chancen am Aktienmarkt (16 Prozent) oder eine zu geringe Diversifikation (12 Prozent).

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, bei dem sich die befragten Anleger in Deutschland stark abheben: ihre Risikobereitschaft. „Weltweit, das zeigt unsere aktuelle Studie, scheinen Anleger langsam zu verstehen, dass in Zeiten mit einem risikolosen Zins von Null die logische Konsequenz für Anleger auf Renditesuche darin bestehen muss, den nächsten Schritt auf der Risikoleiter jenseits der sicheren Häfen zu nehmen“, kommentiert Klaus Dahmann, Niederlassungsleiter und Country Head Deutschland & Österreich bei Legg Mason, die Ergebnisse der Global Investor Survey. 37 Prozent der weltweit befragten Anleger sind daher bereit, 2017 höhere Risiken einzugehen, immerhin acht Prozent davon wollen sogar deutlich höhere Risiken auf sich nehmen.

In Deutschland sieht das Bild hingegen ganz anders aus. Hier sind lediglich 15 Prozent der Anleger bereit, das Risiko im Portfolio zu erhöhen, und nur zwei Prozent davon würden deutlich höhere Risiken eingehen. „Interessant ist, dass die befragten Investoren in Deutschland trotz ihrer konservativen Herangehensweise am zufriedensten mit ihrer Geldanlage sind. Das zeigt, dass man sich hierzulande sehr bewusst für diese vorsichtige Haltung entscheidet“, glaubt der Deutschland-Chef von Legg Mason. Und das bestätigt auch die Studie: 78 Prozent der deutschen Anleger beschreiben sich als konservative oder etwas konservative Investoren.

Risikoaversion tief in Gesellschaft verwurzelt

Die im weltweiten Vergleich sehr hohe Risikoaversion der Deutschen scheint tiefer in der Gesellschaft verwurzelt. Denn an der globalen Finanzkrise und ihren Auswirkungen kann es nicht liegen, wie 46 Prozent der Befragten Investoren in Deutschland bestätigen. Sie sagen, die Auswirkungen der Finanzkrise würden ihre Spar- und Investitionsentscheidungen in keiner Weise mehr beeinflussen. Nur in Schweden ist der Anteil mit 56 Prozent noch höher. Weltweit, und allen voran in den USA, sind die Nachwehen der Finanzkrise noch deutlich stärker zu spüren.

Lediglich 33 Prozent der weltweit befragten Anleger sagen, sie seien nicht beeinflusst. 38 Prozent geben hingegen an, die Auswirkungen noch immer auf die eine oder andere Weise zu spüren, 19 Prozent sagen sogar, sie wären noch immer stark beeinflusst. In den USA – dem Epizentrum der Krise –sagen 34 Prozent der Befragten, sie seien nach wie vor stark beeinflusst, 31 Prozent spüren den Einfluss noch etwas.

Kontinuität treibt deutsches Anlageverhalten

Die befragten Anleger in Deutschland assoziieren vor allem zwei Wörter mit ihren Investitionsentscheidungen: Ambition (25 Prozent) und Kontinuität (32 Prozent). Hier lässt sich vielleicht auch eine Erklärung für das eher konservative Investitionsverhalten finden. Kurzfristige Marktbewegungen werden zugunsten einer beständigen Strategie nicht mitgenommen und Anpassungen erfolgen eben nur langsam und mit Bedacht. Und obwohl weltweit ebenfalls 32 Prozent der befragten Anleger eine Beständigkeit mit ihren Kapitalanlage-Entscheidungen assoziieren, ist hier die Ambition mit 36 Prozent Spitzenreiter und damit wohl auch Haupttreiber hinter Portfolio-Entscheidungen.

Eine höhere Risikoaversion und das Hauptaugenmerk auf Kontinuität der deutschen Anleger könnten zwar auch zu einem höheren Anleiheanteil an der Asset-Allokation führen. Doch nach den Anlageklassen befragt, in denen sich Anleger 2017 bevorzugt umschauen wollen, gaben 52 Prozent Aktien und nur 38 Prozent Anleihen an. Grund hierfür könnten die enttäuschenden Ergebnisse sein, die Anleger mit Anleihe-Investments in den letzten Jahren gemacht haben.

Denn lediglich 8 Prozent der Befragten Anleger in Deutschland sagten, dass sich ein höherer Anleiheanteil im Portfolio in den letzten zehn Jahren auch tatsächlich ausgezahlt hätte. Weltweit sind es immerhin 12 Prozent. Wirklich zufrieden waren die Deutschen nur mit ihren Immobilieninvestments (21 Prozent) – wie übrigens auch die weltweiten Anleger.