Umfrage von Ernst & Young Real Estate Versicherungen haben Immobilienanlagen im Blick

Dietmar Fischer, Partner bei Ernst & Young Real Estate

Dietmar Fischer, Partner bei Ernst & Young Real Estate

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Niedrige Zinsen beflügeln die Nachfrage nach Immobilien, wenngleich auch die Renditen für diese Assetklasse leicht rückläufig sind. Auf die Frage, wie hoch die jährliche Netto-Gesamtrendite sei, die Versicherungen für ihre Immobilien erwarten, zeigt sich bereits seit mehreren Jahren ein Trend zu zurückgehenden Renditeerwartungen.

Bei direkten Immobilieninvestments erwarten die Versicherungsgesellschaften im Durchschnitt 5 Prozent Gesamtrendite, bei indirekten Investments (überwiegend in Spezialfonds) werden 4,4 Prozent erwartet. Dies ergab eine Umfrage von EY (Ernst & Young) Real Estate bei führenden deutschen Versicherungsgesellschaften.

Die überwiegende Mehrheit der befragten Versicherungen (52 Prozent) will die Immobilienquote weiterhin erhöhen, nur 8 Prozent streben eine Reduzierung der Quote an. Derzeit liegt diese bei 7,3 Prozent, wenn man sowohl direkte Immobilieninvestments (5,4 Prozent) wie auch indirekte Investments (1,9 Prozent) berücksichtigt.

Bei der Befragung gaben die Teilnehmer an, dass sich die Quote auf 7,7 Prozent erhöhen soll. 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Schwierigkeiten, in der aktuellen Niedrigzinsphase die Garantiezinsversprechen einzuhalten, führten dazu, dass Immobilienanlagen noch stärker als bisher in den Fokus der Anlagen von Versicherungen rücken werden.

Projektentwicklungen als Investitionschance


Da es schwieriger geworden ist, Immobilien mit einer attraktiven Rendite zu erwerben, setzen immer mehr Versicherungen auf den Kauf von Projektentwicklungen. Bei solchen sogenannten Forward-Deals kauft die Versicherung eine Immobilie nicht erst, wenn sie bereits fertig gestellt ist, sondern schon in der Phase der Projektentwicklung.

Je nachdem, in welchem Stadium der Entwicklung gekauft wird, ist das Risiko dabei erhöht – aber auch die Rendite. Bei der aktuellen Befragung gaben 41 Prozent der Versicherungsgesellschaften an, dass sie Projektentwicklungen erwerben wollen.

Dieser Trend wird vermutlich auch weiter anhalten. 50 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Durch die steigende Risikobereitschaft im aktuellen Marktumfeld sehen wir Projektentwicklungen zunehmend als Investitionschance.“ Nur 18 Prozent der Befragten sahen das anders.

Eine andere Auswirkung der – insbesondere in sogenannten A-Städten - gesunkenen Renditen beziehungsweise der generell gesunkenen Verfügbarkeit von geeigneten Immobilien, ist der Trend hin zu sogenannten B-Städten. 96 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass die Nachfrage nach Immobilien in B-Städten weiter steigen wird.

Der Schwerpunkt der Investments liegt nach wie vor in Deutschland. 85 Prozent der Versicherungen wollen in Deutschland zukaufen. Dagegen ist das Interesse an Nordamerika deutlich gesunken. Gaben vor einem Jahr noch 52 Prozent der Versicherungen an, dass sie in Nordamerika Immobilien erwerben wollen, dann waren es jetzt nur noch 33 Prozent.

Angesichts der positiven Entwicklung der Wirtschaft in den USA verwundert dies ein wenig. Ebenso ist das Interesse an Südamerika und Asien nach wie vor gering. Nur 15 Prozent wollen in Asien und Ozeanien investieren und nur 7 Prozent in Südamerika.