„Unentschlossene Politik behindert den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien“

Willi Wohlfart

Willi Wohlfart

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Wie stehen Sie zur Ankündigung von Angela Merkel, die Novelle des EEG noch einmal anzugehen und eventuell höhere Kürzungen vorzusehen?

Wohlfart: Tschernobyl scheint ja so mancher Christdemokrat verschlafen zu haben, aber Fukushima hat alle wachgerüttelt und den Weg in die richtige Richtung gezeigt. Die Atomenergie ist ein Auslaufmodell.

Es ist mir völlig unverständlich, warum Frau Merkel mit Ihren Ankündigungen weiterer Kürzungen der Solarstromförderung in Deutschland die Branche der Erneuerbaren Energien erneut verunsichert und den Ausbau bremst.

Was halten Sie von weiteren Kürzungen über das beschlossene Maß hinaus?

Wohlfart: Die Förderung weiter zu beschneiden würde die geplante Energiewende bremsen. Bis 2020 könnte der Anteil der Stromerzeugung durch Photovoltaik bei 10 Prozent liegen, wenn wir das heutige Wachstum zu Grunde legen. Deutschland profitiert von einer starken Solarbranche. Es sind zahlreiche Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen, die zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes beitragen. Weitere Kürzungen gefährden nicht nur eine solide Branche die Arbeitsplätze schafft, sondern auch die Energiewende.

Wie stehen Sie grundsätzlich zur Absenkungen der Förderung von Solarstrom?

Wohlfart: In 20 Jahren darf die Kilowattstunde Solarstrom natürlich nicht mehr 20 Cent kosten. Insofern ist es sinnvoll die Vergütung nach und nach zu senken. Nur sollte man darauf achten, dass der schnelle Ausbau nicht abgewürgt wird. Flexibel reagieren zu können wäre ideal. Man hätte dann auch die Möglichkeit, gegebenenfalls die Konditionen wieder anzuheben, wenn der Markt stark einbricht.

Was bringt das EEG dem Verbraucher an Nutzen? Ist es noch zeitgemäß?

Wohlfart: Das EEG war, ist und bleibt wichtig für den Energiewandel. Durch die Förderungen hat es uns der Energieunabhängigkeit einen Schritt näher gebracht und die Unabhängigkeit von außereuropäischen Energieträgerimporten, wie zum Beispiel von Öl und Gas erhöht. Das kann für die Zukunft Energiekonflikte, ja vielleicht sogar Kriege vermeiden.

Sicher kann das EEG mittlerweile eine Optimierung vertragen. Die Einführung regional unterschiedlicher Förderungssätze beispielsweise wäre für die Politik eine zusätzliche und interessante Steuerungsmöglichkeit.