Union-Investment-Rentenfondsmanager „An marktneutralen Renten-Strategien führt kein Weg vorbei“

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In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagpotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Frank Engels: In der Tat haben die unkonventionelle Geldpolitik der Notenbanken und vor allem die damit einhergehenden Ankaufprogramme zu erheblichen Verzerrungen an den Anleihemärkten geführt. Besonders betroffen sind die „sicheren Häfen“, also etwa deutsche Bundesanleihen oder US-Treasuries. Mit der laufenden Verzinsung dieser Papiere verdient man in immer weniger Fällen Geld. Unter Renditegesichtspunkten sind diese Segmente also unattraktiv, auch wenn sie in einem Portfolio nach wie vor ein sinnvoller Baustein zur Diversifikation sein können. Gleiches gilt übrigens in zunehmenden Maße für Covered Bonds und europäische Unternehmensanleihen mit Investment Grade. Zwar ist das Rückschlagpotenzial überschaubar, aber das Ertragspotenzial eben auch.

Zur besonderen Vorsicht raten wir aktuell bei Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie. Hier haben die fundamentalen Risiken in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Zwar werden diese Entwicklungen derzeit vom Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank überdeckt, allerdings ist in den kommenden Monaten weiter Vorsicht geboten. Besonderes Augenmerk muss auf die Ratingüberprüfung Portugals durch DBRS und auf die am 4. Dezember stattfindende Abstimmung zur Senatsreform in Italien gelegt werden.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

Das Zeitfenster für weitere Zinserhöhungen seitens der Fed schließt sich. Handfeste ökonomische Gründe für eine Straffung der Geldpolitik gab es in den USA ohnehin in diesem Zyklus nicht. Zu gering war bislang der Preisdruck, zu moderat das Wachstum, als dass es einen nachhaltigen Zinserhöhungspfad gerechtfertigt hätte. Zwar waren die Konjunkturdaten gut genug, um einen einzelnen Zinsschritt im Dezember 2015 zu rechtfertigen – aber eben auch nicht mehr. Aktuell nehmen die Fragezeichen auf der Wachstumsseite sogar eher zu.

Wir erwarten daher weder für den Rest von 2016 noch für das kommende Jahr weitere Zinserhöhungen. Die Zinswende in den USA ist schon vorbei, bevor sie richtig angefangen hat.

Vor diesem Hintergrund sehen wir aktuell keine Anhaltspunkte für perspektivisch stärker steigende Renditen. Im Gegenteil: Die Geldpolitik verankert sowohl den mittleren Bereich, wie auch das kurze Ende der Zinsstrukturkurve, auf niedrigen Niveaus. Zur Jahresmitte 2017 sehen wir die Rendite zehnjähriger US-Treasuries bei 1,3 Prozent und zweijähriger bei 0,4 Prozent. Zusatzrenditen bleiben in diesem Niedrigzinsumfeld also gefragt.