Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft Starker Aufschwung von M&A Aktivitäten

Philippe Lecoq, Fondsmanager bei Edmond de Rothschild

Philippe Lecoq, Fondsmanager bei Edmond de Rothschild

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Seit Jahresanfang 2014 ist das Transaktionsvolumen in Europa stark gestiegen. Die seit Mitte 2013 erkennbaren Hinweise auf eine Rückkehr des Europäischen Wirtschaftswachstums haben das Vertrauen der Unternehmen schrittweise gestärkt und den Boden für einen neuen M&AZyklus bereitet.

Um langfristige Wachstumsziele zu erreichen, können Unternehmen heute nicht länger nur auf organisches Wachstum bauen. Deshalb konzentrieren sie sich zunehmend auf Zukäufe in unterschiedlichen Sektoren und Größen.

Verbessertes Wirtschaftsumfeld als Zeichen für zurückgekehrtes Selbstbewusstsein


Zum Ende des zweiten Quartals 2013 konnte Europa die Rezession hinter sich lassen und die systemischen Risiken nahmen ab. Die Unternehmen haben ihr Vertrauen in Investitionen wieder gewonnen. Obwohl der Markt sich nur langsam erholt, verbessert sich die Lage immer mehr.

Auch der Einkaufsmanagerindex der Eurozone deutet auf einen Aufschwung hin: Das Stimmungsbarometer zeigt seit mehreren Monaten nach oben und erreichte Ende April mit 54 Zählern ein Dreijahreshoch.

Auch weitere positive Signale, wie das Interesse der Anleger an risikoreichen Anlageklassen – insbesondere Aktien – spiegeln das zurückkehrende Vertrauen in den Markt. Europäische Unternehmen sind wieder in der Gewinnzone und Gewinnerwartungen für das Jahr 2014 sind insgesamt vielversprechend.

Die Unternehmensbilanzen sind Großteils solide und die anhaltend niedrigen Zinsen erleichtern den Zugang zu Finanzierungen. Da man einen unmittelbaren Zerfall der Eurozone nicht mehr befürchtet, sollten die wirtschaftliche Stabilisierung und die Belebung der Kreditvergabe für eine Erholung am M&A-Markt sorgen.

Ein Neuer M&A-Zyklus in Europa


In Europa begann Mitte 2013 ein neuer M&A-Zyklus. Im laufenden Jahr 2014 ist bisher ein hohes Transaktionsvolumen verzeichnet worden: Vom 1. Januar bis zum 2. Juni 2014 wurden Deals mit einem Gesamtvolumen von 381 Milliarden US-Dollar angekündigt (Ohne Berücksichtigung abgesagter Transaktionen, vor allem des abgesagten 11 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeangebots von Pfizer für Astrazeneca). 2013 waren es im gleichen Zeitraum hingegen nur 218 Milliarden US-Dollar.

Zwar ist die Zahl der Transaktionen in diesem Jahr leicht zurückgegangen (2.338 angekündigte Deals gegenüber 2.408 im Jahr 2013) doch die Volumina sind deutlich gestiegen. Dies stellt den stärksten Aufschwung in M&A Aktivitäten in Europa seit 2007 dar.

Die jüngsten Deals haben einen strategischen Hintergrund. Den Bietern ist daran gelegen, eine kritische Masse zu erlangen, ihre Marktposition auszubauen, sich die Marktführung in margenstarken Geschäftssegmenten zu sichern oder ihre Preisbildungsmacht zu verbessern, auch wenn dies eine Trennung von Randaktivitäten und eine Fokussierung auf das Kerngeschäft bedeutet.

Seit Anfang April gibt es einige neue große Transaktionen.
- Verkäufe: SFR wurde an Numericable verkauft
- Fusionen: Lafarge und Holcim
- Anlagentausch: Novartis und Glaxosmithkline
- Interessenbekundung: General Electric will das Energiegeschäft von Alstom übernehmen.

Diese Transaktionen zeigen, dass derzeit jegliche Form von Deal möglich ist, sogar ein Merger zwischen zwei hochkapitalisierten Unternehmen wie Lafarge und Holcim, eine Fusion von zwei gleichgestellten Wettbewerbern mit ähnlicher Marktkapitalisierung und vergleichbarem Umsatz.

Mit einem Umsatz von rund 30 Milliarden Euro wird das entstandene Unternehmen der größte Zementhersteller der Welt sein. Der Deal zeigt, dass auch gut aufgestellte Unternehmen durch anorganische Strategien wachsen müssen.

Ausblick


Die Beweggründe für die letzten Transaktionen zeigen, dass es demnächst noch zahlreiche weitere M&A-Aktivitäten in verschiedenen Sektoren geben könnte. Eine mögliche Ausnahme ist der Bankensektor, in welchem die ersten Konsolidierungen länger auf sich warten lassen könnten.

Die steuerliche Situation von US-Unternehmen mit europäischen Tochtergesellschaften könnte den europäischen Markt in den kommenden Monaten stützen.

Diese Unternehmen haben enorme Barreserven angehäuft, die bei einer Rückführung in die USA mit einer Steuer von 35 Prozent belastet werden würden. Somit besteht für die Unternehmen, trotz des starken Euros, ein großer steuerlicher Anreiz, diese Mittel in Europa zu investieren.