„Unternehmen müssen zu unserem Weltbild passen“

Brigitte Posch, Managerin des Pimco GIS Emerging Markets Corporate Bond Fund

Brigitte Posch, Managerin des Pimco GIS Emerging Markets Corporate Bond Fund

// //

DAS INVESTMENT: Wieso sollten Investoren Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern kaufen, wenn es doch auch in Europa Perlen gibt?

Brigitte Posch:
Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass die Unternehmen in Ländern zu Hause sind, die stärker wachsen als die etablierten Märkte. Solch ein Umfeld ist wichtig für Unternehmen. Die Firmen haben außerdem gesunde Bilanzen mit positivem Cashflow. Der Hauptgrund ist aber, dass man dort auf sein Investment bessere Renditen erhält als hier in Europa. Die Rendite liegt über denen der Staatsanleihen aus dem jeweiligen Land und höher als die Rendite europäischer und US-Unternehmen der gleichen Qualität. Das macht die Anlageklasse so attraktiv.

Die höheren Renditen sind auch der Grund, warum im Moment viel Investorengeld in diese Anlageklasse fließt. Was passiert aber, wenn die Krise sich wieder verschlimmert? Dann ziehen Anleger üblicherweise Geld aus risikoreicheren Assetklassen ab.


Posch:
Ja, dieses Risiko gibt es. Aber es hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Das liegt an der Struktur der Investoren. Früher waren es vor allem Schwellenländeranleger, die hauptsächlich Staatsanleihen kauften und eine Gazprom oder eine Petrobras als taktisches Investment beimischten. Ein anderer Teil des Geldes kam aus den etablierten Märkten von Indexinvestoren. Die jüngsten Investoren aber sind Portfoliomanager wie ich, die sich auf Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern fokussiert haben. Wir sind noch eine vergleichsweise kleine Gruppe mit etwa 40 Milliarden Dollar Investmentvolumen. Dieses Geld ist aber klebriger. Wir sind die typischen Käufer, wenn es den von Ihnen angesprochenen Ausverkauf gibt.

Wie wählen Sie Anleihen aus?


Posch: Zuerst geht es darum, dass wir uns mit dem jeweiligen Land wohlfühlen. Dazu nutzen wir die Expertise unserer Staatsanleihen-Analysten, die sich die finanzielle Situation eines Landes anschauen, die politische Lage dort und die regulatorischen Bedingungen. Dann filtern wir die Sektoren heraus, in denen wir die besten Chancen ausmachen. Das sind typischerweise solche, die die Regierung als Schlüsselsektoren definiert hat, wie etwa Öl und Gas, Infrastruktur, Banken. Und schließlich geht es um das Unternehmen. Wir beschäftigen mehr als 45 Kreditanalysten, um nah am Unternehmen dran zu sein. Dabei ist keiner ein reiner Schwellenländerspezialist.

Nicht?


Posch: Nein. Unsere Kreditanalysten sind auf Sektoren spezialisiert. Das heißt, sie kennen auch die guten Unternehmen aus den etablierten Märkten. Es ist wichtig, dass ein Kreditanalyst nicht voreingenommen ist, nur weil er einen speziellen Markt abdeckt. Vielmehr kann er mir sagen, welches Unternehmen ihm in seinem Sektor am besten gefällt. Und danach gehen wir dann vor.

Wie kommen die Kreditanalysten zu ihrem Urteil?

Posch: Sie sprechen mit Unternehmen, die wir mögen, und mit denen, die wir nicht mögen. Man muss immer beide Seiten kennen. Nur so bekommt man valide Informationen zum Markt. Wir sprechen außerdem mit Regulatoren und Regierungsbehörden über ihre Pläne – wollen sie die Steuern erhöhen oder senken zum Beispiel. Und wie wirkt sich das auf das Unternehmen aus, das wir gerade analysieren? Dann geht es noch darum, wie transparent ein Unternehmen ist, wie es mit der Corporate Governance aussieht und wer es besitzt. In den Schwellenländern hat der Staat oft einen großen Anteil an Firmen.