„Unternehmensanleihen bieten auch weiterhin einen Wert“

Sollte es in Griechenland, Irland, Spanien und <br> Portugal zu einem Zahlungsausfall kommen, <br> wären das deutsche und das belgische Bankensystem <br> praktisch insolvent. Bild: Fotolia

Sollte es in Griechenland, Irland, Spanien und
Portugal zu einem Zahlungsausfall kommen,
wären das deutsche und das belgische Bankensystem
praktisch insolvent. Bild: Fotolia

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Besonders besorgniserregend ist die Schuldenkrise europäischer Staaten für die Kreditmärkte, wo Banken und Regierungen eng miteinander verbunden sind. Darüber hinaus überdenken derzeit viele Investoren ihr Engagement in Anleihen und prüfen, ob diese weiterhin ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis für sie bieten.

Beteiligung privater Schuldner nur beim Ausfall einzelner Banken geeignet
Die Krise europäischer Staatsanleihen hat zu erheblichen Problemen bezüglich ihrer Bankverbindlichkeiten geführt. Das gilt insbesondere für die Credit Spreads nachrangiger Verbindlichkeiten, die dramatisch gestiegen sind. Für viele Staaten hängen ihre derzeitigen Finanzprobleme unmittelbar mit den Rettungsaktionen ihrer Problembanken zusammen. In vielen Ländern herrscht deshalb die Überzeugung, dass die daraus resultierende finanzielle Belastung mit den Gläubigern nachrangiger und bevorrechtigter Bankschulden geteilt und die Last auf allen Schultern verteilt werden sollte. Wir haben ein solches Vorgehen bereits bei der sogenannten „Resolution Authority“ der USA, die frühestens 2012 eingerichtet wird, sowie beim kürzlich verabschiedeten deutschen Restrukturierungsgesetz für Banken gesehen, das Anfang dieses Jahres in Kraft treten soll.

Die grundlegende Idee dieser Vorschläge besteht darin, die Insolvenz von Banken mit finanziellen Problemen gemäß „Chapter 11“ des amerikanischen Insolvenzrechts zu beschleunigen. Dadurch soll eine Fortführung des Unternehmens in der Insolvenz sowie der Ausschluss eines systemischen Risikos für das gesamte Finanzsystem sichergestellt werden. Für nachrangige und womöglich sogar für bevorrechtigte Gläubiger würde dies zu erheblichen Wertminderungen führen. Die Schuldabschreibungen könnten dann den Großteil des neuen Kapitals für die auf diese Weise restrukturierte Bank darstellen.

Eine solche Lösung ist nach unserer Meinung eher für einzelne Banken mit finanziellen Problemen geeignet als dafür, das gesamte Bankensystem zu rekapitalisieren. Daher wird dieses Vorgehen nur einen begrenzten Einfluss auf die stärkeren oder sich gerade von der Krise erholenden Banken haben. Es sollte jedoch sichergestellt werden, dass sich die Credit Spreads der Banken, insbesondere die unteren, so genannten „Tier-2-Spreads“ (üblicherweise die sichersten Bankverbindlichkeiten hinter bevorrechtigten Gläubigern), nicht wieder auf dem Niveau vor der Krise normalisieren. Dies gilt besonders für Banken niedrigerer Qualität.

Noch stützen Staatsgarantien die Kreditratings vieler Banken

Daneben wird diese Lösung wahrscheinlich zu einer weiteren Herabstufung von Kreditratings führen. Viele Banken profitieren momentan aufgrund der vorbehaltlosen staatlichen Unterstützung von besseren Kreditkonditionen. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass sich die zugrunde liegende Kreditqualität der Banken verbessert und die Herabstufungen deshalb nicht so stark, wie möglicherweise befürchtet, ausfallen werden.

Die Aufsichtsbehörden haben sich in jüngerer Vergangenheit stark darum bemüht, das Kernbeteiligungskapital der Banken zu erhöhen, risikoreiche Bankenaktivitäten zu reduzieren und die Liquidität von Banken zu verbessern – dies sind alles Punkte, die sich positiv auf Kreditratings auswirken. Mit Ausnahme der am Rand der Eurozone liegenden sehr schwachen Volkswirtschaften sollten sich die Forderungsausfälle daher langsam verbessern. Daher werden wir nach und nach einen ähnlichen Verlauf wie bei den größeren US-Banken beobachten können: Dort hat sich die zugrundeliegende Kreditqualität verbessert, womit sich das Vertrauen ihrer Ratings, das allein auf der angenommenen staatlichen Unterstützung beruht, verringert.

Bei Zahlungsausfällen von Staaten ist es normalerweise nicht sicher, ob die Banken des entsprechenden Staates ihren Schuldverpflichtungen nachkommen können. Das liegt daran, dass sie in der Regel erheblich an den Staatsschulden beteiligt sind, deren Zahlung soeben eingestellt wurde. Wenn Anleger daher überzeugt sind, dass es in Irland, Portugal oder Griechenland in den kommenden drei Jahren zu Zahlungseinstellungen kommen wird, sollten sie nicht Inhaber der lokalen Banken in diesen Ländern sein.

Es gibt eine Reihe internationaler Banken, die Engagements in diesen Ländern haben (z. B. Crédit Agricole in Griechenland). Dieses Engagement allein ist jedoch nicht ausreichend, um diese Banken zu ruinieren. Gleichwohl wird die Sorge, dass genau dies eintritt, dafür sorgen, dass die Anleihepreise dieser Banken volatil bleiben werden.