Unternehmensanleihen-Käufe der EZB „Ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis bieten Anleihen, die nicht auf der EZB-'Shopping-Liste' stehen“

Wolfgang Bauer ist mitverantwortlich für Anlageentscheidungen beim M&G European Corporate Bond Fund

Wolfgang Bauer ist mitverantwortlich für Anlageentscheidungen beim M&G European Corporate Bond Fund

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DASINVESTMENT.com: Die Europäische Zentralbank will bei ihrem neuen Kaufprogramm vor allem Anleihen von Firmen mit guten Ratingnoten kaufen, entsprechend werden in diesem Bereich die Zinsen sinken: Wird die EZB damit einem weiteren beliebten, weil nicht allzu riskanten Anleihen-Segment der Investment-Grade-Bonds den Garaus machen?

Wolfgang Bauer: Bei der Bewertung von Unternehmensanleihen spielt für uns der Credit Spread die entscheidende Rolle, das heißt der Renditeaufschlag, den ein Unternehmen im Vergleich zu Staatsanleihen aufbringen muss, um Investoren für zusätzliche Risikofaktoren zu kompensieren. Credit Spreads werden von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst, weshalb sich ihre Analyse relativ komplex gestaltet. Die Aufkäufe von Euro-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating stellen sicherlich einen Faktor dar, der die Credit Spreads in diesem Marktsegment beeinflusst. In der Tat kam es zu einer Einengung von circa 20 Basispunkten, als die EZB diese Maßnahme Mitte März ankündigte.

Allerdings ist die EZB-Intervention lediglich ein Faktor von vielen, die sich auf die Bewertung von Unternehmensanleihen auswirken. Im Moment, kurz vor dem Brexit-Referendum, beherrscht Risikoaversion wieder die Märkte. Die Credit Spreads weiteten sich deutlich aus, obwohl die EZB vergangene Woche die ersten Unternehmensanleihen kaufte. Wir dürfen daher nicht den Fehler machen, monokausal nur noch auf die EZB zu achten. Aufgrund der Vielschichtigkeit hinsichtlich der Bewertungen von Unternehmensanleihen bin ich optimistisch, dass Investoren auch in Zukunft Wertschöpfungspotential im Investment-Grade-Segment finden werden.

Was bedeutet das für die Rendite-Risikoprofile Ihres Unternehmensanleihen-Fonds? Gehen Sie stärker ins Risiko und behalten die Renditeziele bei, oder lassen Sie das Risiko unverändert und senken Ihre Renditeziele?

Wolfgang Bauer: Unabhängig von den EZB-Ankäufen nehmen wir immer nur dann Unternehmensanleihen in das Portfolio auf, wenn der Credit Spread uns für die Risiken adäquat entschädigt. Ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis finden wir oftmals bei Anleihen von Unternehmen, die über eine hohe Bonität und Kreditqualität verfügen, wegen formaler Gründe jedoch nicht auf der „Shopping-Liste“ der EZB stehen.

Beispielsweise legte das US-amerikanische Versorgungsunternehmen Southern Power Company unlängst 6-jährige Euro-denominierte Anleihen auf, die nicht alle Bedingungen der EZB erfüllen. Trotz der hohen Bonität (BBB+) und des defensiven Charakters des Versorgungssektors betrug der Credit Spread über deutschen Staatsanleihen bei Auflage circa 150 Basispunkte. Das ist deutlich großzügiger als bei vergleichbaren europäischen Versorgungstiteln. Für uns bieten solche Situationen die Chance auf eine höhere Rendite, ohne dabei das Risikoprofil des Fonds zu kompromittieren.