Unterschätzte Risiken bei High Yield Bonds „Das kann gefährlich werden“

Gregor Taraszow ist Portfoliomanager und Analyst für Hochzinsanleihen von Bantleon

Gregor Taraszow ist Portfoliomanager und Analyst für Hochzinsanleihen von Bantleon

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DAS INVESTMENT.com: Alle Welt erfreut sich an den Renditen von Hochzinsanleihen. Warum nicht auch Sie?

Gregor Taraszow:
Ich habe eigentlich nichts gegen Hochzinsanleihen, und ich glaube auch, dass der Markt mindestens bis Ende des Jahres stabil bleiben wird. Die Europäische Zentralbank hält die Kurse mit ihrer Geldpolitik weiter hoch. Anleger suchen Rendite und kaufen.

Aber?

Ich warne davor, das Liquiditätsrisiko zu unterschätzen.

Warum soll das so wichtig sein? Werden die Anleihen nicht so oder so am Laufzeitende zurückgezahlt?


Es geht darum, was während der Laufzeit passieren kann. Die Liquidität kann den Preis einer Anleihe enorm beeinflussen. Wenn Anleger verstärkt aus High-Yield-Fonds aussteigen wollen, müssen die Fondsmanager Anleihen verkaufen. Das kann gefährlich werden.

Warum?

Weil vor der Finanzkrise meistens noch Banken als Intermediäre aufgetreten sind. Sie haben Anleihen übernommen und später wieder weiterverkauft und damit den Markt liquide gehalten. Das können sie heute nicht mehr so gut. Sie haben ihre Bestände wegen der verschärften Regulierung um Basel III um 50 bis 70 Prozent abgebaut.

Wer soll denn dann die Anleihen kaufen?

Weil die Fonds in einem breiten Ausverkauf alle dasselbe Problem haben, muss sich eine andere Käuferschicht finden. Zunächst gibt es keinen Umsatz, weil ja kein Käufer da ist. Die Preise fallen und die Spanne für An- und Verkauf geht weit auf. Wenn die Kurse tief genug liegen, treten Hedgefonds und Distressed-Manager auf den Plan und greifen günstig zu.

Womit der Verlust im Fonds zementiert wäre. Könnte es denn auch passieren, dass es mal gar keine Anleihekurse gibt und damit auch keinen Fondspreis?


Ein Kurs für die Anleihe findet sich immer. Selbst wenn es keinen Umsatz am Anleihemarkt gibt, werden Anleihen regelmäßig quotiert, also gepreist. Der Bewertungskurs, der in den Fondspreis einfließt, wird in solchen Marktphasen auf Basis des Durchschnittskurses der Anleihepreise ermittelt. Der Fondsmanager wird unter Umständen darauf mit Verkäufen von Anleihen guter Bonität und hoher Liquidität reagieren, was sich aber negativ auf die Portfolioqualität auswirkt.