US-Aktien könnten aufholen

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

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Bis vor kurzem sah es so aus, als sei den Amerikanern in diesem Konjunkturaufschwung die Luft ausgegangen. Bis Herbst vorigen Jahres wuchs die deutsche Wirtschaft, wie die Grafik zeigt, wesentlich dynamischer.

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Jetzt hat sich die Lage umgedreht. Im vierten Quartal expandierte die Produktion in den USA um 2,8  Prozent, in Deutschland ging sie um 1,2  Prozent zurück (jeweils annualisierte Wachstumsraten nach amerikanischer Rechnung). Auch wenn die vorläufigen Zahlen vielleicht noch korrigiert werden (vor allem in Deutschland nach oben), ergibt sich ein signifikanter Unterschied.

Was ist passiert? Und vor allem: Wird es so bleiben?  Die naheliegendste Erklärung ist natürlich die Eurokrise. Sie drückt auf die Stimmung in Deutschland, bremst den Export und dämpft die Investitionsneigung und vielleicht auch die Konsumbereitschaft.

Hinzu kommt, dass in Europa bei den öffentlichen Haushalten „auf Teufel komm raus“ gespart wird. In den USA liegen die Konsolidierungsbemühungen bei den öffentlichen Finanzen dagegen auf Eis.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. In diesen Tagen sind durch eine interessante Studie des McKinsey Global Institute die Zahlen für die private Verschuldung in den USA bekannt geworden.

Danach ist die Verschuldung der privaten Haushalte seit Ende 2008 um 580 Milliarden US-Dollar gesunken. Der Anteil des Einkommens, der
für Zinsen und Tilgungen ausgegeben wird, ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 90er Jahre zurückgegangen.  Das hängt nicht nur damit zusammen, dass die Amerikaner solider geworden sind, also mehr sparen und Kredite zurückzahlen.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied

Entscheidender ist der Unterschied im Rechtssystem. Nach amerikanischem Recht können Hypothekenschuldner ganz einfach die Schlüssel ihres Hauses bei der Bank abgeben und sind damit ihre Verbindlichkeiten los. Das haben viele auch getan. Zwei Drittel des bisherigen Schuldenrückgangs der privaten Haushalte ergaben sich auf diese Weise. Der Prozess ist, gemessen an den laufenden Zwangsvollstreckungen, noch nicht abgeschlossen.

Gleichzeitig ist die Verschuldung der amerikanischen Finanzwirtschaft um knapp 2 Billionen Dollar zurückgegangen. Sie liegt mit 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts jetzt unter dem Stand von Ende 2000. Auch die Verbindlichkeiten der Unternehmen haben sich, freilich nicht ganz so krass, verringert.

Die Vereinigten Staaten sind damit die einzigen unter den großen Industrienationen, bei denen sich die private Verschuldung seit dem Beginn der Subprime-Krise verringert hat. In allen anderen Staaten ist sie gestiegen, auch in Deutschland.  

Damit sind die Spielräume für künftige Investitionen und Konsumausgaben in den USA wieder gewachsen. Auch Schweden und Finnland haben Anfang der 90er Jahre bei der Überwindung der damaligen Bankenkrise zuerst ihre private Verschuldung reduziert. Dann ist die Wirtschaft wieder gewachsen und dann wurden die öffentlichen Haushalte saniert.