US-Aktienmarkt Geht dem Bullenmarkt die Puste aus?

Kurt Feuerman, Investmentchef des ACMBernstein Select US Equity Portfolios

Kurt Feuerman, Investmentchef des ACMBernstein Select US Equity Portfolios

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Den kräftigen Kursgewinnen in 2013 stand eine Steigerung des Gewinns je Aktie um circa 6 Prozent gegenüber. Somit hat sich das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) am US-Aktienmarkt, also der Betrag, den der Markt je Dollar Unternehmensgewinn im S&P 500 zahlt, deutlich erhöht. Aber wie viel Spielraum ist für einen weiteren Anstieg der KGVs und damit für weitere Kursgewinne vorhanden? Einige Anleger bezweifeln, dass sich erstere überhaupt weiter erhöhen werden.

Ihre Sorge scheint eher zu sein, dass sich die KGVs negativ entwickeln könnten, wenn die Zinssätze steigen. Anhänger dieser Auffassung verweisen auf die moderate Korrekturbewegung, die einsetzte, nachdem Ben Bernanke, ehemaliger Chef der US-Notenbank Fed, im Mai 2013 eine Drosselung der Anleihekäufe durch die Fed erwähnt hatte. Zinssensitive Sektoren – inklusive dem Wohnungsbau – bekamen die Folgen dieser Äußerungen besonders stark zu spüren.

Wir sind allerdings der Auffassung, dass diese Marktteilnehmer die eindrucksvollen neuen Börsenhöchststände übersehen, die in den letzten Monaten von 2013 vor dem Hintergrund steigender Zinssätze, besserer Konjunkturdaten und des tatsächlichen Tapering-Beginns erreicht wurden.

Auch wenn einige von einer „Blase” im Markt sprachen, betrug das durchschnittliche KGV im S&P 500 zum Jahresende circa das 16-fache. Dieser Wert ist zwar höher als vor zwei oder drei Jahren, bedeutet aber immer noch ein moderates Bewertungsniveau von Aktien. Außerdem ist er wesentlich niedriger als die Aktienhöchststände von 2000 und 2007.
 
Unserer Ansicht nach wird dem mächtigen US-Bullenmarkt die Kraft noch nicht ausgehen, wenn wie erwartet die Zinssätze allmählich steigen, und das Wirtschaftswachstum in Schwung kommt.

Was sind die Grundlagen für unseren positiven Ausblick?

1.    Relatives Bewertungsniveau von Aktien: Auch nach fünf aufeinanderfolgenden Jahren mit teils kräftigen Kursgewinnen sind Aktien im Vergleich zu Renten immer noch günstiger zu haben als im historischen Durchschnitt – selbst wenn man etwas höhere Zinssätze einrechnet.
    
2.    Nachfrage nach Aktien: Ausgehend von unserer Sicht der relativen Attraktivität von Aktien und aufgrund der Tatsache, dass viele institutionelle Investoren und Privatanleger in Aktien immer noch untergewichtet sind, gehen wir vorsichtig davon aus, dass die Aktienmärkte Zuflüsse verzeichnen werden. Viele Unternehmen kaufen außerdem in großem Stil eigene Aktien zurück und heizen so die Nachfrage weiter an.

3.     Vermögenslage und Schuldenabbau: Seit der Finanzkrise sind wir schon ein gutes Stück weiter gekommen: Die Nettovermögen der US-Haushalte und die freien Cashflows befinden sich auf Rekordhöhe. Die Verschuldung der Verbraucher hält sich in Grenzen, und die Kosten der Schuldenbedienung sind sehr niedrig. Das Bankensystem profitiert derzeit von moderaten Kreditkosten und verfügt über reichlich überschüssiges Kapital.