US-Fondsmanagerin Thyra Zerhusen: „Nebenwerte haben bessere Zuwachsraten als Large-Caps“

Thyra Zerhusen

Thyra Zerhusen

// //

DAS INVESTMENT.com: Das Jahr eins nach der Finanzkrise neigt sich dem Ende zu. Wie hat sich Ihr Fonds Parvest US Mid Cap 2008 bis 2009 geschlagen?

Thyra Zerhusen:
Als ein voll investierter Aktienfonds konnten wir dem Sog der Märkte natürlich auch nicht entkommen. Als die Panik um sich griff, wurde alles verkauft, was nur verkauft werden konnte, ohne Rücksicht auf Fundamentaldaten. Selbst Hedge-Fonds gaben dem Verkaufsdruck nach. So sind wir mit einem Minus von rund 40 Prozent in das Jahr 2009 gestartet.

DAS INVESTMENT.com:
Und nun?

Zerhusen: Zum jetzigen Zeitpunkt liegen wir rund 40 Prozent im Plus und damit über dem Vergleichsindex Russel Mid Cap. Denn einen Vorteil hatte das Katastrophenjahr 2008 schon: Wir konnten Papiere gut aufgestellter Firmen zu Schnäppchenpreisen erwerben. Im dritten Quartal haben sich dann die Kurse wieder erholt: 27 Aktien von unseren insgesamt rund 40 Portfoliopositionen haben um mehr als 10 Prozent, 16 sogar um mehr als 30 Prozent zugelegt.

DER FONDS

DER FONDS aktuelle Ausgabe
Aktuelle Ausgabe

Interview: AGI-Manager über die weiteren Aussichten der Börse Bangkok

Crashtest: Die besten Fonds für globale Value-Aktien

>> kostenlos abonnieren

>> aktuelle Ausgabe (PDF)

DAS INVESTMENT.com: Welche Titel zählen zu Ihren besonderen Glücksgriffen?

Zerhusen: Überraschenderweise haben sich Medienunternehmen sehr stark verbessert. So zählen Aktien der Verlage Gannet und New York Times, die zuvor sehr stark unterbewertet waren, zu unseren Top-Performer. Aber auch Technologie-Firmen wie der Internetdienstanbieter Akamai, das Telekommunikationsunternehmen Harris sowie der Outsourcing-Dienstleister Unisys legten kräftig zu. Zudem profitieren wir generell von der besseren Bewertung mittelgroßer Firmen im Vergleich zu Großkonzernen oder Kleinunternehmen.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Zerhusen: Nebenwerte haben bessere Zuwachsraten als Large-Caps. Auch der persönliche Kontakt zu dem Top-Management gestaltet sich unkomplizierter. So können wir bei kurzfristigen Gewinneinbrüchen zunächst mit der Unternehmensleitung reden und die Gründe herausfinden, anstatt die Papiere sofort zu verkaufen. Denn wir investieren grundsätzlich nur in Unternehmen, deren Managern wir vertrauen. Außerdem besteht im Mid-Cap-Markt eine Informationsineffizienz, die ein guter Fondsmanager ausnutzen kann.

DAS INVESTMENT.com: Wie meinen Sie das?

Zerhusen:
Die Aufmerksamkeit der Analysten richtet sich überwiegend auf Großkonzerne. Dort sind fast alle relevanten Informationen bereits in den Aktienkursen eingepreist. Bei den Mid-Caps hingegen hat man mehr Möglichkeiten, unterbewertete Aktien mit gutem Entwicklungspotenzial zu entdecken. Und im Vergleich zu Kleinunternehmen sind Mid-Caps liquider. 

DAS INVESTMENT.com: Woran erkennen Sie, ob eine Aktie unterbewertet ist?