US-Investments Ein Jahr Präsident Trump – Daumen hoch oder runter?

Keine Einigung in Sicht: Aufgrund des aktuellen Streits um den US-Staatshaushalt zwischen den Republikanern von Präsident Donald Trump (Bild links) und den Demokraten um Senator Chuck Schumer (r.) befinden sich viele Behörden der Vereinigten Staaten im Zwangsstillstand, dem so genannten Shutdown. | © Getty Images

Keine Einigung in Sicht: Aufgrund des aktuellen Streits um den US-Staatshaushalt zwischen den Republikanern von Präsident Donald Trump (Bild links) und den Demokraten um Senator Chuck Schumer (r.) befinden sich viele Behörden der Vereinigten Staaten im Zwangsstillstand, dem so genannten Shutdown. Foto: Getty Images

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

Trumps erstes Regierungsjahr zeichnete sich durch Höhen und Tiefen aus. Fulminant und mit hohen Erwartungen gestartet, setzte nach rund sechs Monaten eine leichte Katerstimmung ein, da die Regierung mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein schien als mit Gesetzesinitiativen. Denn gesetzte Ziele wie eine Abkehr von Obamacare konnte Trump nicht umsetzen. Das ernüchterte viele Wähler.

Trumps erstes Regierungsjahr

Doch Trump scheint resilient gegenüber Kritik und verfolgt konsequent seine nächsten Wahlversprechen wie eine massive Steuerreform, die Begrenzung der Immigration oder höhere Beiträge der NATO-Partner, um ein paar Beispiele zu nennen. Die wiederum markiert einen Wendepunkt zum Ende des vergangenen Jahres und verschafft Trump ein neues Hoch.

Interessant: Mit der Steuerreform und der Repatriierung im Ausland liegender Gewinne wird sich das amerikanische Handelsbilanzdefizit wahrscheinlich massiv reduzieren. Schätzungen der Deutschen Bank gehen von einer Reduzierung um die Hälfte aus, was rund 250 Milliarden US-Dollar entspricht. Damit könnte Trump – zwar anders als propagiert – ein weiteres Wahlversprechen einhalten.

USA als Investmentregion

Die Steuerreform ist Trumps bislang größte Leistung seiner Amtszeit. Experten schätzen, dass über einen Einmaleffekt die Gewinne der US-Unternehmen um rund 10 Prozent ansteigen könnten. Die US-Märkte honorieren diese Entwicklungen bereits mit steigenden Kursen. Waren die US-Werte in der Vergangenheit oftmals aufgrund einer nicht fundamental untermauerten Börsenphantasie bereits hoch bewertet, bereitet die US-Steuerreform jetzt das Fundament für mehr Substanz.

Einem höheren Aktienkurs steht damit ein realer Gegenwert in Form verbesserter steuerlicher Rahmenbedingungen für die Unternehmen gegenüber. Von dieser Entwicklung profitieren die US-Märkte wesentlich stärker als andere Märkte global. Daher könnte aus taktischer Sicht eine neutrale bis leicht übergewichtete Position sinnvoll sein.

Ausblick auf die US-Märkte

Schließt Trump seine nächsten Vorhaben „Infrastruktur“ und „Deregulierung der Kapitalmärkte“ ähnlich erfolgreich ab wie die Steuerreform, sollten Anleger bereits heute über ein USA-Investment nachdenken. Allerdings braucht es durchaus einen langen Atem. Denn die positiven Auswirkungen beider Projekte auf die US-Wirtschaft dürften sich erst mit einiger Zeitverzögerung zeigen.

Wichtig bleibt weiterhin, aktiv Unternehmen mit starken Fundamentaldaten auszuwählen. Denn auch wenn die USA weiterhin eine interessante Investmentregion sind, gibt es auch Risiken.

  • Erstens steigt die Schuldenlast der USA durch die verschiedenen Initiativen massiv an. Sollten nicht die gewünschten Wachstumseffekte eintreten, kann das zu einem signifikanten Problem werden.
  • Zweitens entstehen außenpolitische Gefahren durch die Infragestellung etablierter Handelsbeziehungen. Diese Auswirkungen noch nicht absehbar sind.
  • Drittens läuft Trump Gefahr, durch die Mid-Term-Wahlen im November die Mehrheit der Republikaner im Abgeordnetenhaus und im Senat zu verlieren. Das würde das Durchbringen künftiger Gesetzesvorhaben deutlich erschweren.

Auch das noch nicht geklärte Thema Nordkorea schwebt wie ein Damoklesschwert über Trumps Regierungszeit und könnte dem Präsidenten noch ein paar größere Probleme bereiten.