Value Investing, Vermögensverwaltung und Unabhängigkeit Prozyklisches Anlegerverhalten versus Köpfen, Ideen und Diversifikation?

Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt und Experte für Private-Label-Fonds

Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt und Experte für Private-Label-Fonds

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“If you want to make money on Wall Street, you must have the proper psychological attitude. You must look at things under the aspect of eternity” (Ben Graham). Aussagen dieser Art kann man natürlich auch relativ betrachten, da auch schon Keynes sinngemäß sagte, dass wir langfristig gesehen wohl alle „tot“ seien. Wie so oft, die Wahrheit kann in der Mitte liegen. Bei der derzeitigen Börsenentwicklung empfinden zum einen viele Anleger oft das Gefühl, Chancen verpasst zu haben, zum anderen besteht jedoch die Angst, zu spät einzusteigen.

Aus der Sicht von valueorientierten Investoren wird häufig diskutiert, ob diese Herangehensweise an Investment-Themen langfristig ein empfehlenswertes Erfolgsrezept darstellen kann: Die Bäume wachsen in der Regel nicht in den Himmel, in der Regel geht aber an den Börsen auch die Welt nicht unter. Eine Frage stellt sich hier immer wieder: Wird von Investment gesprochen oder von kurzem, prozyklischen Wetteinsätzen? Welchen Vorteil bieten eine Vielzahl von Köpfen und Ansätzen in diesem Bereich?

Privater Investor und institutioneller Investor: „Laientum“ und Kurzfristdenke versus reine Vernunft?

Wissenschaft und Medien beschäftigen sich stark mit Anlegerverhalten. In der Wissenschaft wird in der Regel von einem fast zweckfreien Erkenntnisinteresse ausgegangen. Diese Annahme wird natürlich ab und an kontrovers diskutiert: Wer erhält Forschungsgelder wofür und vor allen Dingen von wem? Gibt es Erkenntnisse aus der Forschung, die zum Beispiel – reine Fiktion, Extremszenario – zum Abbau von 50 Prozent von Lehrstühlen im Bereich Finanzmarktforschung führen könnten? Bei Medien und bei deren Berichterstattung kann es ebenso zu Interesskonflikten kommen, diese Missstände werden aber in den Medien häufig selbst sehr ergebnisoffen diskutiert. (Werbung, Prozyklik, Trendsetting und so weiter).

Forschung und Medien beeinflussen bekanntermaßen in Kombination das Denken von vielen Privatanlegern, diese können sich gerade in dynamischen Auf- und Abwärtsphasen der in der Regel prozyklischen Berichterstattung kaum entziehen. Aufgrund des angeführten Sachverhalts unterstellt man häufig Privatanlagern ein weniger professionelles Anlageverhalten als bei institutionellen Anlegern. Vergessen wird häufig, dass auch diese sich nicht des ständigen Grundrauschens der Medien entziehen können. Vernachlässigt wird bei dieser Investorenkategorie oft auch, dass regulatorische oder personelle Konstellationen ebenso dazu führen können, das ähnlich „unbeholfen“ wie auf Privatanleger-Seite gehandelt wird.

Asset Management und Markteintrittschranken

Das Grundrauschen in den Medien in Sachen Kapitalmarktberichterstattung wird häufig dadurch verursacht, dass es in der klassischen Asset Management-Industrie eine sehr große Anzahl von Vermögensverwaltern (Asset Manager, Fondsadvisor) gibt. Betrachtet man viele der Manager unter Performance-Gesichtspunkten, so kommt man zu dem Schluss, dass der Markt scheinbar über recht niedrige Markteintrittsschranken verfügt: Ist die kritische Masse für eine Fondsgründung erreicht, bleiben viele Produkte auch bei Durchschnittlichkeit viele Jahre im Markt. Das Verbleiben von mittelmäßiger bis unterdurchschnittlicher Performance in Kombination mit hohen Anlagevolumina lässt sich häufig noch mit dem Faktor Vertriebsnetz erklären. (Wenn neben anderen Faktoren solche Informationsquellen in der Diskussion Gehör finden sollten – woran kann sich der Anleger langfristig orientieren?).