Value Investing Werthaltigkeitsaktien sind nur vermeintlich langweiliger

Ekkehard Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager bei Straits Invest in Singapur

Ekkehard Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager bei Straits Invest in Singapur

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Seit die Notenbanken weltweit monetäre Expansionen starteten und die Kapitalmärkte mit billigem Geld überfluten, scheint vorsichtiges Agieren an den Aktienbörsen fehl am Platz. Tatsächlich haben aggressive Investmentstrategien, in den USA und vor allem auch in Asien häufig kreditfinanziert, seit geraumer Zeit Konjunktur. Doch Dow Jones, Dax und Co. zeigen inzwischen Ermüdungserscheinungen und an Chinas Spekulationsbörsen wird jüngst gar von Panik gesprochen. Der Erfolg von ausgewählten Werthaltigkeitsaktien sollte nicht lange auf sich warten lassen. Favoritenwechsel nach Kursrückgang Es war zunächst ein guter Jahresstart für asiatisch-pazifische Aktien. Über 20 Prozent legten die Börsen in den ersten vier Monaten 2015 auf Eurobasis zu. Vor allem sogenannte Growth-Titel lagen in der Gunst der Anleger. Konservative Dividendentitel dagegen fristeten eher ein Schattendasein und blieben etwa zehn Prozent hinter dem Markt zurück. Der Risikoappetit der Anleger vor allem auf chinesische Aktien schien keine Grenzen zu kennen. Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Nicht zuletzt der Absturz des chinesischen Aktienmarktes hat zu allgemeinen Kursrückgängen und großer Unsicherheit über die weitere Entwicklung an den Börsen in Fernost geführt. Auf Eurobasis bleibt aktuell gerade noch ein Ergebnis um die Nulllinie. Angesichts der abnehmenden Risikoneigung mehren sich die Zeichen für einen Favoritenwechsel. Schwankungsarme, dividendenstarke Aktientitel machten in den vergangenen drei Monaten ihren Rückstand wett und bestätigten damit ihre Krisenfestigkeit. Werthaltigkeitsaktien langfristig mit ausgezeichneter Rendite, Growth Aktien enttäuschen Nun mögen eingefleischte Optimisten dies als Atempause bezeichnen und weiterhin auf vermeintlich aussichtreichere Growth Titel setzen. Doch die erdrückende Mehrheit internationaler Untersuchungen zeigt: mittel- und langfristig weisen nicht die viel gesuchten und häufig stark schwankende Wachstumsaktien attraktive Renditen aus, sondern die vermeintlich langweiligeren Value Aktien. Auch die umfangreichen Analysen von Straits Invest im Zeitraum 1996 bis 2014 für die großen Anlageregionen USA, Europa, Asien-Pazifik, Japan, Australien und die Emerging Markets kommen zu eindeutigen Ergebnissen: dividendenstarke, niedrig bewertete Aktien mit geringer Volatilität lieferten dem Investor in allen Regionen attraktive Zuwächse. In Europa, den USA, Australien oder den Emerging Markets ließen sich leicht durchschnittliche Renditen von acht bis zehn Prozent pro Jahr erzielen, in Asien-Pazifik rund sechs Prozent und in Japan immerhin noch knappe drei Prozent. Sie lagen damit überall über den Ergebnissen der entsprechenden Staatsanleihen. Investitionen in Growth Aktien dagegen waren eine Enttäuschung. In den USA, Europa und Australien waren die Ergebnisse gerade noch knapp positiv. In Asien-Pazifik und Japan mussten Anleger auf der Suche nach den Wachstumsstars gar herbe Verluste einstecken. Durchschnittlich etwa minus sieben  Prozent pro Jahr über einen Zeitraum von fast 20 Jahren waren es in Japan, minus zwölf Prozent gar in Asien-Pazifik.