Vema-Vorstand Hermann Hübner „Die geplante DIN 77230 ist ein Rückschritt“

Hermann Hübner ist Vorstandsvorsitzender beim Dienstleistungsanbieter für Versicherungsmakler Vema. | © VEMA Versicherungs-Makler-Genossenschaft

Hermann Hübner ist Vorstandsvorsitzender beim Dienstleistungsanbieter für Versicherungsmakler Vema. Foto: VEMA Versicherungs-Makler-Genossenschaft

Bis zum 8. August lief die Frist für Stellungnahmen zum Entwurf einer DIN-Norm 77230. Die Norm, die laut Plan Ende 2018 in ihrer Endfassung vorliegen soll, will einen Standard für die Finanzberatung setzen. Sie gibt Vermittlern und Beratern eine Anleitung an die Hand, mit der sie eine erste Diagnose zur Finanzsituation ihrer Kunden stellen können.

An der Ausarbeitung der Norm beteiligten sich deutsche Versicherer, Vertriebsorganisationen, Maklerpools, Produktanbieter und Verbraucherschützer. Federführend war das Defino Institut für Finanznorm, über das sich laut Plan interessierte Vermittler in Zukunft auch zertifizieren lassen können.

Das Vorhaben stößt allerdings nicht auf ungeteilte Gegenliebe. So hat der Versicherungsmakler und Chef der Vema Versicherungs-Makler-Genossenschaft Hermann Hübner verlauten lassen, dass er in der angestrebten Norm keine Verbesserungen des Ist-Zustands zu erkennen vermag. DAS INVESTMENT veröffentlicht Hübners Stellungnahme hier im Wortlaut:

"Manchmal belächelt uns die Welt und auch wir selbst uns ein wenig für unsere Normen. Dabei sind Normen grundsätzlich eine sehr gute Sache, mit der bestimmte Dinge wie auch Prozesse und Abläufe in feste Formen geprägt werden. Damit ist sichergestellt, dass bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden und alles mit eben dieser manchmal belächelten „deutschen Gründlichkeit“ ablaufen kann.

Für den Sinn der Einführung einer Norm müssen zwei Grundvoraussetzungen erfüllt werden: Sie muss dazu beitragen, dass auf breiter Front Änderungen möglich sind und damit jemandem ein Vorteil realisiert wird. Beides sehe ich beim Entwurf der DIN 77230 zur Beratung von Privatkunden nicht gegeben. Beim Lesen des Entwurfs hatte ich vielmehr den Eindruck, eine Ansammlung verschiedener Branchenstandards vor Augen geführt zu bekommen, wie sie bereits seit Jahrzehnten Selbstverständlichkeit sind und seit vielen Jahren im Rahmen der Kaufmanns- und in der Fachmannsausbildung vermittelt werden. Dieser „rote Faden“ der Beratung ist primärer Gegenstand der mündlichen Prüfungen – wo also sollte die Verbesserung durch die Norm liegen? Doch werfen wir zunächst einen Blick in den Entwurf.