Verbraucherschützer über Inflation: „Die Rohstoffpreise kommen in den Regalen an“

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet<br>Lebensmittelpreise (Foto: DAS INVESTMENT.com)

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet
Lebensmittelpreise (Foto: DAS INVESTMENT.com)

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DAS INVESTMENT.com: Unser täglich Brot wird teurer. Geschieht uns das als Billignahrungsland recht?

Armin Valet: So billig sind wir gar nicht mehr. Im europäischen Vergleich rangieren wir im Mittelfeld. Länder wie Polen und Tschechien sind viel billiger als wir, aber auch in Frankreich und Italien sind Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke ein wenig günstiger als in Deutschland. Vor allem Dänemark und Irland sind nach den Zahlen von Eurostat deutlich teurer als Deutschland.

DAS INVESTMENT.com: Und trotzdem scheint es weiterzugehen. Wie nehmen Sie die Situation zurzeit wahr?

Valet: Wir bekommen viele Beschwerden. Nahrungsmittel sind das Thema Nummer 1. Die Deutschen sind manchmal merkwürdig. Einerseits sind sie ungeheuer sparsam, und andererseits kaufen sie solche sinnlosen, überteuerten Dinge wie Actimel.

DAS INVESTMENT.com: Was steht in solchen Beschwerden?

Valet: Teilweise recht böse Dinge, die ich an dieser Stelle nicht zitieren will. Aber fast immer ist von Abzocke und Betrug die Rede. Und dann kommt die Bitte, den Konzernen die Stirn zu bieten.

DAS INVESTMENT.com: Klappt das?

Valet: Wir erreichen schon ein paar Dinge. Ein guter Erfolg war etwa das Schlemmerfilet von Iglo. Iglo hatte den Fischanteil von 70 Prozent auf 52 Prozent gesenkt. Inzwischen hat es das aber wieder zurückgenommen. Einige wenige Firmen haben sogar eine Preiserhöhung zurückgenommen. Auch ist es ein Erfolg, dass Grundnahrungsmittel wie Milch, Zucker, Mehl und so weiter bisher noch nicht von versteckten Preiserhöhungen betroffen sind. Bei diesen Lebensmitteln befürchten die Firmen, von Verbrauchern besonders abgestraft zu werden.

DAS INVESTMENT.com: Wann ging das mit der teuren Nahrung los?

Valet: Erste Preissprünge haben wir 2009 beobachtet. Die Europäische Union hatte im April alle Standards für Packungsgrößen aufgehoben. Also ging es vornehmlich darum, dass Anbieter ihre Packungen nun schrumpfen konnten. Das war ja eine versteckte Verteuerung. Doch jetzt steigen seit ein paar Monaten die Preise auch direkt. Die hohen Rohstoffpreise kommen in den Regalen an, obwohl für Verbraucher nicht nachvollziehbar ist, ob sie gerechtfertigt sind. So machen beispielsweise beim Brötchenpreis die Rohstoffkosten des Mehls nur etwa 5 Prozent aus.

DAS INVESTMENT.com: Auf welche Aufschläge dürfen wir uns noch freuen?

Valet: Die Volatilität an den Rohstoffmärkten wird immer größer, aber die Tendenz zeigt auf jeden Fall nach oben. Auch ist nicht mehr zu erwarten, dass sich 2011 die Discounter auf Teufel komm raus im Preis unterbieten werden, wie es in der Vergangenheit an der Tagesordnung war. Sagen wir mal so: 2011 wird also nicht günstig.