Vermögensverwalter-Analyse Offene Immobilienfonds: Zinsalternative oder Zinsfalle?

Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen: „Sobald sich das Zinsniveau normalisiert, werden sich auch die Immobilienpreise normalisieren, was ihren Wertverlust bedeutet“.

Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen: „Sobald sich das Zinsniveau normalisiert, werden sich auch die Immobilienpreise normalisieren, was ihren Wertverlust bedeutet“.

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Vor dem Fall Lehman boten offene Immobilienfonds viele Vorteile: respektable Rendite, tägliche Verfügbarkeit des eingesetzten Geldes, festgelegter Kurs. Das Jahr 2008 hat die Finanzindustrie erschüttert und auch für Anleger vieles verändert. Investoren zogen ihre Gelder während der Finanzkrise ab. Die Objekte der offenen Immobilienfonds mussten verkauft werden, um mit dem Erlös die Rückgaben zu finanzieren – das Aus für viele Fonds.

Acht Jahre später sind die Auswirkungen immer noch spürbar. In der Folge der Krise hat der Gesetzgeber strengere Regeln für offene Immobilienfonds eingeführt. Fondsanteile müssen mindestens 24 Monate gehalten werden, bei einer Kündigungsfrist von weiteren zwölf Monaten. Damit sollen kurzfristige Mittelabflüsse und Liquiditätsschwierigkeiten in den Fonds verhindert werden.

Der Markt ist überlaufen

Zu viele Anleger haben inzwischen erkannt, dass Betongold eine gute Möglichkeit ist, in Realwerte zu investieren und die Minisparzinsen zu umgehen. Die niedrigen Kreditzinsen lockten außerdem viele Anleger in den Immobilienmarkt. Deshalb sind die Immobilienpreise bereits explodiert. Und das nicht nur in Berlin, Hamburg oder München. Deutschlandweit hat sich der Umsatz für Wohnimmobilien in den vergangenen sechs Jahren versiebenfacht.

Das zehrt an den Ertragschancen offener Immobilienfonds. Eine weitere negative Seite der Nullzinspolitik der Zentralbanken: Die von Fondsmanagern gehaltene Liquidität erzielt keine Gewinne mehr. Sobald sich das Zinsniveau normalisiert, werden sich auch die Immobilienpreise normalisieren, was ihren Wertverlust bedeutet und die Renditen offener Immobilienfonds wiederum verringert. Durchschnittlich dürfen Anleger nicht mehr als zwei Prozent Ertrag pro Jahr erwarten.