Vermögensverwalter erklärt Behavioral Finance: Der Unterschied zwischen Wert und Preis

Marc-Oliver Lux, Co-Gründer der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner

Marc-Oliver Lux, Co-Gründer der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner

Der wertorientierte Ansatz geht von folgender Überlegung aus: Vermögensanlagen haben immer einen Wert und in aller Regel einen Preis. Beides schwankt im Zeitablauf. Der intelligente Anleger wird sich das Ziel setzen, die Vermögensanlagen immer zu einem Preis zu kaufen, der unter dem Wert der Anlage liegt. So verhalten wir uns auch als Verbraucher im täglichen Geschäft. Wir kaufen gern preiswert ein. Diesen Grundsatz sollten wir als Anleger im Bereich der Geldanlage auch beherzigen. Das psychologische Problem ist jedoch, dass die Preise hoch sind, wenn Euphorie an der Börse herrscht und die Preise niedrig sind, wenn alle zum Pessimismus neigen. Letztlich überlagern Stimmungen und Meinungen die Fakten, was zu Fehlbewertungen an den Märkten führt.

Der intelligente Anleger nutzt die pessimistischen Situationen für sich aus. Er kauft Qualität, wenn die Preise niedrig sind. Das ist das Prinzip von Warren Buffett, einem der erfolgreichsten Investoren der Welt. Diese scheinbar einfachen und langweiligen Regeln sind äußerst erfolgreich, werden aber selten befolgt. Kaufen, wenn andere verkaufen und verkaufen, wenn andere kaufen. Wann waren demnach die besten Gelegenheiten zum Einstieg? 2002 nach dem Platzen der Internet-Blase, 2009 nach der Zuspitzung der Bankenkrise und der Lehman-Pleite in den USA sowie 2012 nach der Euro-Schuldenkrise.

"Frage von Disziplin und konsequenter Umsetzung"

Doch auch wenn man (vermeintlich) billig kauft, ist man nie ganz vor Verlusten gefeit. Das „Risiko“ bei Kapitalanlagen besteht nun mal in der Gefahr, Vermögens - sprich Substanzverluste zu erleiden. Doch die Schwankungen von Kursen und Preisen haben damit nichts zu tun und sind davon gesondert zu betrachten. Sie sind lediglich eine Momentaufnahme und sagen nichts über den inneren Wert einer Anlage aus. Sie sind vielmehr relevant bei der Gewichtung der risikobehafteten Anlageklassen und bei der Festlegung von Anlagerichtlinien. Das Zitat von Warren Buffett fasst es treffend zusammen: „Betrachten Sie die Schwankungen des Aktienmarktes als Ihren Freund und nicht als Ihren Feind. Profitieren Sie von der Torheit Anderer, statt an ihr teilzunehmen.“ Anders ausgedrückt: Wer den wahren Wert seiner Anlage kennt, den müssen Preisschwankungen nicht mehr bekümmern.

Letztlich ist alles nur eine Frage von Disziplin und konsequenter Umsetzung von Anlagerichtlinien. Auch wenn es schwerfällt und viele Anleger ihre Lieblingsanlagen haben, der Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Dr. Kahneman hat in verschiedenen Untersuchungen aufgezeigt, dass es sich in einer Welt voller Unsicherheit empfiehlt, mit Algorithmen (das heißt mit einem Regelwerk) zu arbeiten, als auf eigene Eingebung zu vertrauen. Wer Prognosen, Meinungen und punktuellen Anlageempfehlungen folgt, hat keinen echten Plan. Es ist zwar wichtig, getroffene Anlageentscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Sowohl Bewertungen als auch Preise können und werden sich ändern. Daher kann es auch zu Fehleinschätzungen kommen, die es zu korrigieren gilt. Es kann auch vorkommen, dass die Entscheidung richtig war, aber die Preise durch politische Börsen verzerrt werden, wie zum Beispiel zu Zeiten der Euro-Schuldenkrise. Dann gilt es, Mut zu haben und im Rahmen seiner Anlagerichtlinien zuzukaufen. - „Wer keinen Plan hat, geht unter.“