Vermögensverwalter erklärt Italienisches Urlaubsvergnügen bald wieder ohne Euro?

Blick über den Tiber in Rom auf den Petersdom | © Stokpic

Blick über den Tiber in Rom auf den Petersdom Foto: Stokpic

Stefan Wallrich

Auch in diesem Sommer haben wieder mehrere Millionen Deutsche ihren Urlaub in Italien verbracht. Sehr praktisch ist es da, dass sich der Campingplatz an der Adria, der Eintritt in den Petersdom und der Espresso auf dem Markusplatz mit Euro zahlen lassen.

Dabei fürchten einige Auguren, dass damit schon bald Schluss sein könnte. Sie sehen in Italien inzwischen das mit Abstand größte Risiko für die Gemeinschaftswährung. Wesentlich gravierender als etwaige Unbequemlichkeiten beim Geldwechseln wären im Falle eines Falles natürlich die Konsequenzen, die sich daraus für die europäischen Kapitalmärkte und hier insbesondere italienische Anleihen ergeben würden.

Komplexer und langwieriger Vorgang

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Euro-Austritt Italiens um einen komplexen und langwierigen Vorgang. So müsste es zunächst zu Neuwahlen kommen. Anschließend stünde die Bildung einer neuen Regierung an. Um ein Euro-Referendum abhalten zu können, ist zudem eine Verfassungsänderung nötig, die nochmals drei bis vier Monate in Anspruch nehmen würde. Erst dann wäre eine entsprechende Volksbefragung denkbar.

Von heute auf morgen ist ein Euro-Austritt somit vollkommen unmöglich. Zudem sind laut einer Umfrage der EU Kommission vom November vergangenen Jahres immerhin 53 Prozent der Italiener für den Euro und nur 37 Prozent gegen eine europäische Gemeinschaftswährung. Auch die EZB und die EU-Kommission sind höchst motiviert, die Lage stabil zu halten.

Andere Peripherie-Länder betroffen

Noch nie haben sich solche staatlichen bzw. supra-nationale Institutionen selbst abgeschafft. Nicht nur kurz- sondern auch längerfristig ist es aus unserer Sicht deshalb sehr unwahrscheinlich, dass Italien den Euro tatsächlich verlassen wird. Für die europäischen Kapitalmärkte insgesamt scheint dieses Risiko damit von nicht allzu großer Relevanz zu sein.

Gleichwohl ist es aber denkbar, dass entsprechende Sorgen mit Festlegung eines Wahltermins und erst recht bei einem Sieg von Grillos „Fünf-Sterne-Bewegung“ deutlich zunehmen. Die Folgen für italienische Anleihen wären in diesem Fall erheblich. Die Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen würden deutlich ansteigen, die Kurse der Papiere je nach Laufzeit also mehr oder weniger stark fallen. Hiervon könnten abgeschwächt auch andere Peripherie-Länder, wie etwa Portugal oder Spanien, betroffen sein.

Chance-Risiko-Profil relativ unattraktiv

Da das Chance-Risiko-Profil der meisten südeuropäischen Assets derzeit verhältnismäßig unattraktiv erscheint und die Gefahr zunehmender Euro-Sorgen in ihrer Bewertung insgesamt nicht hinreichend berücksichtigt wird, verbietet sich aktuell ein zu hohes Peripherie-Exposure. Wird dennoch in den „Olivenstaaten“ angelegt, sollte es sich unbedingt um Investments in Aktien oder Anleihen sehr solider Unternehmen handeln.

Wieder zurück zum Urlaub bleibt jedenfalls festzuhalten, dass wir den italienischen Espresso unabhängig von der Anlagestrategie auch im nächsten Sommer noch mit Euro bezahlen werden können.