Vermögensverwalter Hubert Thaler „Der Medizin-Sektor ist für Investoren heute erste Wahl“

Forscherin am Krebsforschungszentrum im britischen Cambridge. Der Medizinsektor bietet auch Anlegern interessante Perspektiven | © Getty Images

Forscherin am Krebsforschungszentrum im britischen Cambridge. Der Medizinsektor bietet auch Anlegern interessante Perspektiven Foto: Getty Images

Hubert Thaler

Im Kampf um den medizinischen Fortschritt bahnt sich eine neue Entwicklung an. Mit CRISPR (sprich Crisper - Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) soll es bald möglich sein, die Bausteine der DNA so zu verändern und zu ersetzen, dass Erbkrankheiten, aber auch gefährliche Alterskrankheiten wie Diabetes oder Krebs geheilt werden können. Vielleicht werden wir dadurch bald 150 Jahre alt. Denn nach neueren Erkenntnissen spielt bei der Frage, ob jemand die 100 Jahre überschreitet, das Erbgut eine größere Rolle als der Lebenswandel, Sport oder eine gesunde Ernährung.

Sicherlich werden solche revolutionären Behandlungstechnologien das bisherige Verständnis von Medizin maßgeblich verändern. Insbesondere Verfahren zu Genmanipulation wie CRISPR, mit denen einzelne Gene an- und ausgeschaltet werden können, haben großes Potenzial. Sei es bei der Bekämpfung von Krankheiten oder um die Gene so zu optimieren, dass sie uns grundsätzlich ein längeres Leben ermöglichen.

Individualisierte Behandlung möglich

Bisherige medizinische Anwendungen, wie Chemotherapie oder Pillen wirken nicht immer wie sie sollen oder haben Nebenwirkungen. Bei Genverfahren bietet sich dagegen eine wirklich individualisierte Medizin.

Das Schöne an der CRISPR-Technologie ist ihre potenziell vielseitige Anwendung. So könnte das gefährlichste Tier der Welt für den Menschen mit einer kleinen Manipulation ungefährlich gemacht werden. Eine Million Menschen jährlich sterben an den Folgen eines Mückenstichs, mit dem Malaria übertragen wird. Gelingt es mit Hilfe der CRISPR-Technologie neuen Generationen von Mücken eine Malariaresistenz in die DNA zu schreiben, würde sich das durchschnittliche maximale Lebensalter der Menschen explosionsartig erhöhen.

„Kodak-Moment“

Für Investoren könnte solch ein Paradigmenwechsel im Pharmasektor in den kommenden Jahrzehnten für einen Kodak-Moment sorgen. Dort wurde mit dem Aufkommen der Digitalkameras der fotografische Film obsolet und mit ihm traditionsreiche Unternehmen, wie Kodak.

Der medizinische Sektor sollte heute schon für Investoren erste Wahl sein, unabhängig von künftigen Entwicklungen. Kaum ein unter 100-Jähriger kommt in seinen letzten Lebensjahren ohne Medikamente und medizinische Dienstleistungen zurecht.