Vermögensverwalter Hubert Thaler Strafzölle: „Trump hat teilweise Recht“

Donald Trump präsentiert eine hölzerne US-Flagge während eines Treffens mit US-Wirtschaftsvertretern. Die Zollpläne des US-Präsidenten setzen in den USA um, was andere Ländern längst tun, sagt Vermögensverwalter Hubert Thaler.  | © Getty Images

Donald Trump präsentiert eine hölzerne US-Flagge während eines Treffens mit US-Wirtschaftsvertretern. Die Zollpläne des US-Präsidenten setzen in den USA um, was andere Ländern längst tun, sagt Vermögensverwalter Hubert Thaler. Foto: Getty Images

Hubert Thaler

Das Prinzip „Auge um Auge“

„Tit-for-Tat“ nennt sich in der Ökonomie das „Auge-um-Auge-Prinzip“. Erhöht ihr die Zölle auf Stahl, werden wir US-Produkte mit höheren Zöllen belegen. Dabei gehören die USA seit den 90er Jahren definitiv zu den großen Gewinnern des Freihandels. Ein Teil dieser etablierten Wachstumsstrategie durch internationalen Handel könnte durch das Vabanque-Spiel des US-Präsidenten zunichte gemacht werden, wenn durch neue Schutzzölle unrentable Branchen künstlich geschützt werden.

Was allerdings in dem aktuellen Aufruhr untergeht – Trump hat teilweise Recht. Die USA gehören weltweit zu den Volkswirtschaften mit den niedrigsten Zöllen und ergo dem höchsten Anteil am Freihandel. Dies kann von den größeren Volkswirtschaften weder China noch die Europäische Union von sich behaupten.

So regelt China seinen Handel

China schützt die heimische Volkswirtschaft mit den unterschiedlichsten Methoden. Nur mit speziellen staatlichen Regularien können sich Unternehmen wie Baidu gegenüber Google oder Alibaba gegenüber Amazon am chinesischen Markt behaupten. In China können ausländische Automobilkonzerne nur via Joint Venture Autos an chinesische Konsumenten verkaufen.

Von den für Elektroautos mit Subventionen begünstigen 50 Batterieherstellern kommt kein einziger aus dem Ausland. Stahl- und Aluminiumwerke werden mit günstigen staatlichen Krediten am Leben gehalten. So gesehen muss China den eigenen Markt stärker für US-Dienstleistungen und Produkte öffnen, um das aktuelle Handelsungleichgewicht zu normalisieren.

Deutsche Automobilhersteller könnten die nächsten sein

Auch die Europäische Union glänzt nicht durch Pionierleistungen Richtung Freihandel. Während US-Importe für Autos mit 2,5 Prozent belegt werden, gelten für EU-Automobilimporte Schutzzölle von zehn Prozent. Daher steht zu befürchten, dass es mit dem einmaligen Schuss der US-Administration gegenüber Stahl- und Aluminiumimporten nicht getan sein wird.

Die deutschen Automobilhersteller, bereits durch vielfältige Themen deutlich unter Druck, könnten für den Reality-Soap-US-Präsidenten genau das richtige nächste Ziel sein, um Handlungsfähigkeit zu beweisen. Leider hat er auch noch Argumente auf seiner Seite, die für Kongress und Senat stichhaltig sind. Und es erscheint unwahrscheinlich, dass die europäische Seite auch nur annähernd mit der Geschwindigkeit des US-Präsidenten mitkommt und beispielsweise die Reduzierung europäischer Zölle für US-Autos anbietet.

Aktienanleger sollten diese handelspolitischen Erwägungen in den nächsten Monaten trotz zuletzt deutlicher Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen in der Anlagestrategie berücksichtigen.