Vermögensverwalter Hubert Thaler Zukunft der Arbeit – ein Thema für Investoren

Hubert Thaler, Vorstand von Top Vermögen:

Hubert Thaler, Vorstand von Top Vermögen: "Autonomes Fahren sollte nur noch eine Frage der Zeit sein".

„Was sollen wir in Zukunft nur alle machen?“, kommentierten zahlreiche Journalisten eine Studie von McKinsey, die prognostiziert, dass bis 2055 jeder zweite Job wegfallen könnte. Angesichts der demografisch absehbaren Veränderung mit geburtenschwachen Jahrgängen, die nun in den Industrieländern in das Arbeitsleben eintreten, könnte man jedoch die provokante Gegenfrage stellen. Wie würden wir dies nur ohne Automatisierung noch leisten können?

Bereits 2012 standen in Deutschland 35,7 Millionen Beitragszahlern rund 17,7 Millionen Rentenempfänger gegenüber. Zwei Beitragszahler finanzieren einen Rentner. Besserung ist nicht in Sicht. Durchaus denkbar daher, dass in absehbarer Zukunft auch Roboter Sozialabgaben, vielleicht sogar Steuern bezahlen müssen, um das Rentensystem nicht auf Grund laufen zu lassen.

Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass mit dem Wegfall bisheriger Jobs durch Automatisierung und Digitalisierung, wie zum Beispiel im Sekretariat, häufig neue und anspruchsvollere Arbeitsprofile entstehen, die aber heute noch gar nicht greifbar sind. Für Investoren in vielfacher Sicht ein spannendes Feld. Anbieter im Bereich des lebenslangen Lernens werden an Bedeutung gewinnen.

Künstliche Intelligenz mit Gewinnpotenzial

Roboter, „Internet of Things“ und Künstliche Intelligenz werden den Lebensstandard der Menschen deutlich erhöhen. Selbstverständlich wird es auch hier eine intelligente Regulierung benötigen. Aber für Investoren sollten diese Bereiche gute Gewinnpotenziale bereithalten. Nur eine Frage der Zeit – trotz regulatorischer Hürden – sollte das autonome Fahren sein. Gerade im Lieferverkehr, sprich Güter- und LKW-Verkehr bietet sich ein Umstieg an. Auch Taxifahrten werden wohl bald technologiegestützt ausgeführt werden können.

Adidas hat kürzlich eine Fabrik bei Herzogenaurach eröffnet, die weitgehend ohne Näherinnen auskommt. Der Verzicht auf günstige Arbeitskräfte verändert auch die Standortentscheidungen. Logistische Nähe und Energieeffizienz werden an Bedeutung gewinnen. Durch den demografischen Druck, der sich auch bereits in China zeigt, werden Unternehmen angehalten, Automatisierungsinvestitionen zu forcieren.

Durch die Ein-Kind-Politik in China ist ein regelrechter Arbeitskräftemangel in arbeitsintensiven Branchen wie der Textilwirtschaft ausgebrochen. Chinesische Eltern wollen es ihren einzigen Kindern vielfach ermöglichen, ein Studium zu absolvieren, um einen angesehenen Beruf zu erlernen. Mit der sinkenden Geburtenrate in vielen Schwellenländern wird dieses Verhalten auch bald in anderen Ländern sichtbar werden. Unternehmen, die heute an Automatisierungslösungen sparen, werden es in Zukunft schwer haben, in dem intensiven Wettbewerb zu bestehen.

Ob dann allerdings die heute noch übliche Ruhestandsgrenze mit Mitte 60 Bestand haben muss, steht auf einem anderen Blatt. Viele junge Ruheständler verfügen über einen Wissensschatz und ungebrochenen Eifer, der sie dafür prädestiniert, weiter aktiv im Berufsleben zu verbleiben. Gerade hier können auch neue Arbeitsmodelle in Verbindung mit künstlicher Intelligenz helfen, von Ort und Zeit unabhängiger zu werden, um so beispielsweise auch im Urlaub in Südafrika noch nebenbei einen Pflegedienst zu leisten.