Vermögensverwalter-Kolumne Gedanken zum Weltspartag im Niedrigzinsumfeld

Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG (kurz: MPF AG) aus Wuppertal

Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG (kurz: MPF AG) aus Wuppertal

„Weltspartag“, ein Begriff aus früherer Zeit? Oder Ironie in Zeiten der Null-Zins-Politik? Für ältere Generationen bedeutet dieser Tag vor allem die Erinnerung an ein lieb gewonnenes Ritual. Aber auch die Jungen können davon profitieren, wenigsten einmal im Jahr über ihre Geldanlage nachzudenken.

An einem Oktobertag brachten Kinder ihre Spardose zur örtlichen Sparkasse, zahlten – je nach Taschengeld – kleine oder etwas größere Beträge auf „ihr“ Sparbuch ein, ließen die Zinsen des Vorjahres eintragen und freuten sich an kleinen Werbegeschenken. Der Sparkassenbesuch an diesem Herbsttag erfreute vielerorts auch Jugendliche und Erwachsene; etwas geschenkt zu bekommen, hatte immer schon seinen Reiz. Sprichwörtlich und doppeldeutig galt es, „mit Speck Mäuse zu fangen“. Den Marketingabteilungen war kein Give-away zu kurios. Noch heute verstauben in Schubladen Eiskratzer, Untersetzer, Zollstöcke usw. mit Logos oder werbewirksamen Sprüchen.

Mit dem 1925 ausgerufenen „Weltspartag“ sollte die Sparkultur gefördert, auf ihre volkswirtschaftliche Bedeutung hingewiesen werden. Stichwort: Auch mit kleinen Summen kann aus einer soliden Anlage schrittweise ein größerer Betrag werden, mit dem man(n)/frau sich Wünsche erfüllen kann. Die Spar-Idee war einige Jahre so attraktiv, dass manche Institute sogar eine ganze „Weltsparwoche“ nutzten, um ihre Kunden mit Sonderaktionen zu überzeugen.

Heute, in den Zeiten der von der EZB diktierten Nullzinspolitik, befällt uns beim Stichwort „Sparen“ ein latentes Unbehagen. Wir erinnern uns an die letzten Kontoauszüge, die Hiobsbotschaften der Versicherungen usw. Entsprechend zurückhaltend werben die Institute für den diesjährigen Weltspartag, und die „Geschenke“ sind fragwürdig. Ein Geldinstitut wirbt sogar auf seiner Homepage damit, dass der Kunde an diesem Tag eine gebührenfreie (!) Einzahlung tätigen kann.

Schon seit Jahren bringt das Sparbuch keine Zinsen. Inzwischen gilt es vielmehr, Negativzinsen zu vermeiden. Der verklärte Blick zurück auf das gute alte Sparbuch lässt oft vergessen, dass aus heutiger Sicht das Sparbuch auch in den 70er Jahren gar keine besonders attraktive Anlage war. Für Menschen in den von relativ hoher Inflation geplagten Industrieländern bedeuteten die niedrigen Sparzinsen schon damals keine echte, reale Rendite. Die Sympathie für die einfache, aber grundsolide Form des Sparens ist vermutlich nur mit der jüngeren deutschen Vergangenheit zu begründen, in der die Sparer zweimal alles verloren hatten. Oder anders gedrückt: Die Sparer wollten primär schlechteren Zeiten vorbeugen, mit Sparen Geld zu verdienen, war nicht die vorherrschende Absicht.

Die EZB-Nullzinspolitik führt bei vielen Banken und Sparkassen dazu, neue Spar-Anreize zu setzen, oder neue Anlageformen zu entwickeln. Wer z.B. das Institut wechselt, erhält (anfangs und in bestimmten Grenzen) besondere Konditionen bei Zinsen oder Gebühren. Wer für bestimmte Zwecke (Führerschein, Ausbildung) langfristig Geld auf Sparbüchern ansammelt, dem bieten vielleicht konkrete Zielvorgaben und Fristen geringfügig höhere Renditechancen.

Früher versagte sich mancher Sparer einen Wunsch, weil er die möglichen Zinsverluste gegenrechnete. Heute befördert stattdessen der Gedanke, „ich bekomme ohnehin keine Zinsen mehr“ manche Konsumentscheidung. Das wäre auch eine Erklärung für die sinkenden Sparquoten in Deutschland von fast 13 Prozent in 1991 auf weniger als 10 Prozent in 2015. Das ist es auch, was Herr Draghi erreichen will: Sofortiger Konsum statt „wachstumsfeindliches“ Sparen.

Der „Weltspartag“ 2016 sollte uns ermuntern, die jenseits des Sparbuchs vorhandenen Chancen ins Auge zu fassen. Das ist bei der Fülle der Anbieter und Angebote eine echte Herausforderung, aber die einzige Alternative zum enttäuschten Abwarten. Allerdings: Der Finanzmarkt ähnelt in seiner Komplexität und Vielfalt einem Dschungel. Suchen Sie sich einen passenden Begleiter, einen Lotsen, z. B. einen in jeder Weise unabhängigen Vermögensverwalter. Dann ist „Sparen“ doch noch attraktiv.