Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux Silber: Was Anleger vom „kleinen Bruder von Gold“ erwarten dürfen

Silber gilt wegen seines geringeren Preises als kleiner Bruder des Goldes. | © Pixabay

Silber gilt wegen seines geringeren Preises als kleiner Bruder des Goldes. Foto: Pixabay

Marc-Oliver Lux von der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

Auch das die US-Notenbank die Leitzinsen weiter erhöhen könnte, belastet Silber als Konkurrenzanlage. Nach kleineren temporären Höhenflügen kostet die Unze des Weißmetalls momentan wieder unter 17 US-Dollar. Seit den Hochs von 48 US-Dollar in 2011 war mit Silber kein großer Staat zu machen.

Die kurzfristige Schwäche scheint zum längerfristigen Bild zu passen. Nach den Marktdaten der Analysefirma GFMS und des Silver Institutes sank die Nachfrage im vergangenen Jahr um elf Prozent auf rund 32.000 Tonnen. Interessenten rund um den Globus lagerten nur noch etwa 6.400 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren. Das ist im Vorjahresvergleich über ein viertel weniger.

In Deutschland berichten einige Händler zumindest wieder über steigende Käufe. Die wachsende Nachfrage bei privaten Anlegern hat ihre Gründe. Insbesondere die Silber-Käufer gelten als besonders preisempfindlich. Gesucht sind vor allem die kanadische Silbermünze Maple Leaf und das australische Pendant Kangaroo. Oft werden die Stücke in einer typischen Box mit 500 Münzen gekauft. Die Einzelstücke haben das klassische
Gewicht von einer Unze und damit rund 31,1 Gramm. Das Gesamtpaket kommt auf einen Wert von etwa 10.000 Euro. Bei den Barren ist die Fünf-Kilo-Variante der Bestseller, gefolgt vom Ein-Kilo-Stück.

Wenn Käufer nicht in das physische Metall investieren, bleiben ihnen als Alternative vor allem die Silberfonds. Diese Wertpapiere können so gut gehandelt werden wie Aktien. Sie hinterlegen ihrerseits das Weißmetall. Die Nachfrage nach diesen Silberfonds ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch in diesem Jahr haben Anleger bisher für rund 155
Tonnen Metall solche Wertpapiere gekauft.

Die Zahlen erscheinen auf den ersten Blick hoch. Doch der Gegenwert ist gering, selbst im Vergleich zum auch schon eher kleinen Goldmarkt. Als Daumenregel gilt: Der Goldmarkt ist etwa zehnmal größer als der Silbermarkt. Beim Gelbmetall kauften die Anleger im vergangenen Jahr Barren und Münzen für rund 40 Milliarden US-Dollar, beim Silber lediglich für 3,5 Milliarden US-Dollar.

Bei allen Unterschieden sind die beiden Metalle doch verbunden. Silber gilt wegen seines geringeren Preises als kleiner Bruder des Goldes. Für die Anleger bleibt aus der Förderung nicht so viel Metall übrig, denn den weitaus größten Teil der Minenproduktion nehmen Industrie und Schmuckverarbeitung ab. Gold dagegen wird kaum als industrieller Rohstoff genutzt, dazu ist es einfach zu teuer.

Zur Orientierung betrachten Anleger gerne das Preisverhältnis der beiden Metalle. Gold war in den vergangenen Jahrzehnten meist 55- bis 65-mal teurer als Silber. Nach dem Silber-Preisverfall liegt das Verhältnis derzeit bei 75. Insofern sieht Silber günstig aus. Doch gerade weil das Weißmetall in der Industrie genutzt wird, bedarf es Rückenwind von der Konjunktur, damit der Silberpreis deutlicher steigt.