Vermögensverwalter rät Disruptive Technologien: Einfaches „Buy-and-Hold“ kann gefährlich werden

Hubert Thaler, Vorstand der Vermögensverwaltung Top Vermögen aus Starnberg

Hubert Thaler, Vorstand der Vermögensverwaltung Top Vermögen aus Starnberg

Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter nannte es den Wandel durch schöpferische Zerstörung. Geschäftsmodelle und Unternehmen verschwinden und machen Platz für neue. Nur wenige Unternehmen existieren über 100 Jahre, ohne durch mindestens eine existentielle Krise gegangen zu sein. Auch in den kommenden Jahren wird der momentan zu beobachtende momentane Wandel in der Arbeitswelt Branchengrenzen verschieben, neue Geschäftsmodelle schaffen und andere obsolet werden lassen. Für Investoren kann daher die vielfach beschworene Buy-and-Hold-Strategie gefährlich werden.

Der Vorstand des Pharmaunternehmens Merck KGaA, Stefan Oschmann, hat kürzlich in einem Interview skizziert, wie die personalisierte Medizin die Pharmaindustrie verändern wird. Zusammen mit dem US-amerikanischen Big-Data-Spezialisten Palantir will Merck herausfinden, warum ein neues Medikament bei einigen Patienten anschlägt und bei anderen nicht. Auf diese Weise bekommen Pharmaunternehmen in Zukunft wohl den direkten Kontakt zu einzelnen Patienten – mit großen Auswirkungen auf die Vertriebswege.

Trendbestimmende Entwicklungen

Eine andere Entwicklung nutzt das körpereigene Immunsystem, um Krankheiten wie Krebs zu besiegen. Einmal „umprogrammiert“, kann der Körper sich künftig selbst heilen. Das würde für die Pharmaunternehmen eine neue Form der Vergütung notwendig machen. In Zukunft könnten Pharmaunternehmen bestrebt sein, eine erfolgsabhängige Vergütung mit den Krankenkassen zu vereinbaren.

Auch im Einzelhandel tut sich etwas. Supermärkte rüsten bereits Kassen für das kontaktlose Bezahlen um. Der Job des Kassierers könnte in Zukunft ganz wegfallen. Dem Kunden bieten sich neue Einkaufsmöglichkeiten: Im Internet bestellen und im Supermarkt abholen oder sich direkt nach Hause liefern lassen, könnte sich etablieren.

Digitalisierte Preisschilder im Supermarkt erlauben Sonderangebote nur für kurze Zeiträume, potenziell sogar nur für bestimmte Kunden. Das hat Auswirkungen auf die Margen der Unternehmen. Die Lieferung mit Drohnen bis an die Haustür kann technisch wohl in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Für Logistikunternehmen eine interessante Herausforderung, bei der aber manches Unternehmen die Zeichen der Zeit verschlafen könnte.

Züge könnten bald nahezu ohne Lokführer auskommen. Damit wird die Schiene im Vergleich zur Straße wettbewerbsfähiger, da der fahrerlose Straßentransport aus rechtlichen Gründen wohl eine Fiktion bleiben wird.

In der Bankenwelt stellt sich die Frage, inwiefern diese noch benötigt werden. Plattformen, die direkt Kreditnehmer und -geber zusammenbringen, sollten sich weiter etablieren. Auch die Finanzmärkte weiten die Geschäftsfelder zunehmend aus und nehmen Banken langjährige Kreditkunden ab. Im Zahlungsverkehr konkurrieren bereits Technologieunternehmen um die Vorherrschaft.

Im Industriebereich wird das Internet of Things die Geschäftsmodelle deutlich durcheinanderwürfeln. Erfolgreiche Maschinenbauer werden in Zukunft wissen, wann die verkauften Maschinen Wartung und Ersatzteile benötigen und den Kunden gleich die passenden Angebote unterbreiten können.

Marktchancen nutzen statt nur den Status quo erhalten

Die Beispiele zeigen, dass sich für Investoren lohnt, den Blick über einzelne Unternehmen zu weiten und die Chancen und Risiken für einzelnen Branchen zu abzuwägen. In erster Linie wird der zukünftige Erfolg vom Wagemut der Geschäftsleitung abhängen. Welche Unternehmenslenker investieren mutig in die Veränderung, um die Marktchancen zu nutzen, statt den Status quo zu verwalten und die heutigen Gewinne zu optimieren?

Im Vorteil dürften hier Unternehmen mit langfristig orientierten Ankeraktionären sein, etwa die Geschwister Klatten/Quandt bei BMW, die Familie Reimann, die Henkel-Dynastie und viele andere Unternehmerfamilien in Deutschland. Sie haben oft den langfristigen Fokus und den unternehmerischen Mut, den Wandel zu bestreiten.