Vermögensverwalter rät „Hybridanleihen sind meist viel besser verzinst als gewöhnliche Anleihen“

Benedikt Dörle-Schäfer, Portfoliomanager bei Freiburger Vermögensmanagement

Benedikt Dörle-Schäfer, Portfoliomanager bei Freiburger Vermögensmanagement

Risikolose Rendite, dafür waren noch vor einem Jahrzehnt sichere Staatsanleihen fast ein Synonym. Heute bringen sie bei eingerechneter Inflation oft nur noch sicheren realen Verlust. Trotzdem sind Rentenwerte ein wichtiger Bestandteil einer strategischen Vermögensallokation, um etwa Aktienmarktschwankungen auszugleichen. Um allerdings auch mit Anleihen im momentanen Umfeld noch Erträge zu generieren, macht es Sinn, die Vielfalt der möglichen Instrumente zu nutzen.

Dazu gehören Hybridanleihen, denn sie sind in der Regel erheblich besser verzinst als gewöhnliche Anleihen. Sie können vom Emittenten ganz oder teilweise als Eigenkapital angerechnet werden, dafür trägt der Investor ein höheres Risiko. Solch Nachränge sind als Einzelinvestment sicher kein Ersatz für die ehemals risikolose Rendite sicherer Staatsanleihen, denn bei einer Pleite werden erst die anderen Gläubiger bedient. Auch Kupon-Zahlungen können zum Teil ausgesetzt werden und der tatsächliche Zeitpunkt der Rückzahlung ist nicht immer kalkulierbar.

Dafür sind Hybridanleihen in der Regel relativ unabhängig von kurzfristigen Aktienmarktschwankungen und durch die vergleichsweise hohen Kupon-Erwartungen weniger betroffen von Zinsänderungsrisiken.

Fonds wie der Aramea Rendite Plus A beweisen, dass es so im heutigen Marktumfeld möglich ist, mit Anleihen ansehnliche Renditen zu erwirtschaften. In den letzten fünf Jahren (Stand 31. März 2017) brachte er eine durchschnittliche Wertentwicklung von 7,6 Prozent pro Jahr, in den vergangenen zwölf Monaten 9,1 Prozent. Allerdings geht das Management dafür einen eigenen Weg: Es setzt zu über Dreiviertel auf Hybridanleihen, insbesondere eher ältere. Denn sie dürfen nach den neuen gesetzlichen Vorgaben von Jahr zu Jahr weniger dem Eigenkapital zugerechnet werden. Damit wird es für die Emittenten immer attraktiver sie zurückzukaufen.

"Renditebeitrag für breit aufgestelltes Portfolio"

Hieraus ergeben sich oftmals Kurschancen, aber nur bei sehr genauer Analyse, denn es gibt keine einheitlichen Vorgaben für die Ausgestaltung. Die Bedingungen jedes Papiers müssen einzeln beurteilt und auch der Einfluss der schrittweise eingeführten regulatorischen Vorgaben für die Anrechnung als Eigenkapital muss einkalkuliert werden. Ist das alles gewährleistet, kann eine Hybridanleihe unter dem Strich rentabler und trotzdem stabiler sein, obwohl sie in der Regel mehrere Ratingstufen schlechter bewertet wird als Seniorbonds des gleichen Unternehmens.

Zudem bieten kleine bis mittlere Unternehmen ohne Ratingbewertung, die Nachranganleihen als Finanzierungsalternative nutzen, objektiv betrachtet oft ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Hybridanleihen sind jedoch sicher kein Allheilmittel für Niedrigzinsen und schon gar keine Investmentalternative für Privatanleger mit kleinem Vermögen. Aber in einem breit gemischten, professionell gemanagten Anleiheportfolio können sie einen ordentlichen Renditebeitrag leisten und zur Risikostreuung beitragen.