Vermögensverwalter rät Wo Anleger besonders aufmerksam sein sollten

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung aus Mannheim. | © I.C.M.

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung aus Mannheim. Foto: I.C.M.

Die größten Gefahren für die Märkte

Es gibt für Anleger in diesen Tagen und Wochen durchaus ernst zu nehmende negative Meldungen. So gehen die Auftragseingänge der deutschen Industrie zurück. Wird das zum Trend, ist Vorsicht geboten. Der Ifo-Geschäftsklima-Index sinkt zum dritten Mal, die Konjunkturerwartungen gehen zum vierten Mal zurück. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle zweifelt am Fortbestand der derzeitigen Hochkonjunktur. Besonders fehlende Kapazitäten könnten das Wachstum bremsen. Sie schätzen daher das Wachstum für 2019 auf 1,6 Prozent nach 2,2 Prozent in diesem Jahr.

Die größten Gefahren liegen in der Schulden- und Zinsentwicklung. So weisen in den USA sowohl die Scheckkarten- als auch die Auto- und Studentenkredite neue Höchststände auf. Ebenso die auf Kredit gekauften Aktien. Die Zehnjahreszinsen in den USA haben sich seit Sommer 2017 von 1,4 Prozent auf 2,8 Prozent verdoppelt. Dass die Fed die Zinsen noch einmal erhöht hat, könnte bedeuten, sie hat sich die Möglichkeit geschaffen, bei Wirtschaftsschwäche die Zinsen wieder zu senken.

Schuldensituation in Europa, Deutschland und USA

Die America-First-Politik hat dazu geführt, dass China und Russland US-Staatsanleihen verkaufen. Sollte Trump die Zollpläne gegenüber China umsetzen, könnte der größte Gläubiger der USA verstärkt seine Bestände abbauen und für weitere Zinssteigerungen sorgen.

In den Bilanzen der europäischen Banken schlummern fast eine Milliarde an notleidenden Krediten. Den höchsten Anteil haben die ohnehin schon problematischen Länder wie Griechenland, Zypern, Portugal und Italien. Der Berg an faulen Krediten ist höher als vor der letzten Finanzkrise. Das bedeutet nicht nur ein Risiko für die betreffenden Banken, sondern behindert die Kreditvergabe an solide Kunden.

Auch in Deutschland könnten Kredite zum Fallbeil werden. So berichtet eine Studie der Auskunftei Creditreform davon, dass jedes fünfte deutsche Unternehmen in Insolvenz gehen müsste, wenn die Zinsen um 1,5 Prozent steigen und die Gewinne um 20 Prozent zurückgingen. Der größte unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland, Flossbach-von-Storch, hat sie vor Kurzem als Zombieunternehmen betitelt.

"Gift für den Aktienmarkt"

Letztendlich ist der größte Teil der wirtschaftsstärksten Staaten mit über 100 Prozent ihres BIP verschuldet. Diese Verschuldungen bedeuten, dass eine Zinswende überhaupt nicht finanzierbar wäre. Steigen die Kreditzinsen an den Märkten höher als verkraftbar, werden die Auswirkungen die gesamte Welt in Trubel stürzen.

Anleger sollte also vor allem die Zinsen beobachten: Weiter steigende Zinsen wären Gift für den Aktienmarkt.