Vermögensverwalter Stephan Albrech Heimliche Gewinner: Goldminen vor neuem Bullenmarkt?

Los-Filos-Goldmine in Mexiko. Goldminenaktien befinden sich im langfristigen Bullenmarkt, sagt Vermögensverwalter Stephan Albrech | © Getty Images

Los-Filos-Goldmine in Mexiko. Goldminenaktien befinden sich im langfristigen Bullenmarkt, sagt Vermögensverwalter Stephan Albrech Foto: Getty Images

Stephan Albrech

Heimlich, still und leise – so haben Goldminen-Aktien in diesem Jahr bereits bis zu 30 Prozent zugelegt. Wir glauben, dass diese Anlageklasse einen neuen längerfristigen Aufwärtstrend begonnen hat, der Zugewinne von mehreren hundert Prozent möglich macht. Doch wer Goldminen anfasst, muss wissen, dass er es mit heißen Eisen zu tun hat.

Gebannt starren die Anleger in die USA: Dort steigt der breite Aktienmarkt – die einen meinen, trotz, die anderen meinen, wegen Präsident Donald Trump – fast jeden Tag auf ein neues Allzeithoch. Gut 2.360 Punkte hat der S&P 500 beim Verfassen dieser Kolumne erreicht. Doch der Anstieg von fast sechs Prozent seit Anfang des Jahres verblasst im Vergleich zu einer derzeit wenig beachteten Anlageklasse: den Goldminen-Aktien.

30 Prozent im Plus – und kaum jemand merkt’s

Ein Plus von rund 7,5 Prozent in Dollar verbucht Gold seit Neujahr; Silber hat 13 Prozent zugelegt. Der von uns beobachtete Indexfonds, der Van Eck Vectors Gold Miners (GDX) mit weltweit rund 50 größeren Unternehmen wie Barrick Gold, bringt es seit Jahresanfang bereits auf 18 Prozent. Sein kleiner Bruder, der Van Eck Vectors Junior Gold Miners (GDXJ), versammelt ebenso viele Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung, die sich vorrangig der Erschließung neuer Fundstellen widmen. Dieser Index der Junior-Aktien hat über 30 Prozent gewonnen.

Goldminen sind definitiv in neuem Aufwärtstrend

Nun hat es in den vergangenen Jahren immer wieder solche und ähnliche Zugewinne gegeben. Der Unterschied zu heute: Im Frühjahr 2016 haben die Goldminen-Aktien ohne Wenn und Aber ihren Abwärtstrend durchbrochen, der vier Jahre zuvor begonnen hatte. Von ihrem Tief im Januar 2016 gewannen sie bis August 100 (GDX) bzw. 150 Prozent (GDXJ) hinzu. Doch erst nach diesem fulminanten, für Goldminen aber nicht ungewöhnlichen Anstieg stand zweifelsfrei fest, dass der andauernde Kursverfall (Bärenmarkt) zu Ende ist. Bis Dezember 2016 folgte dann eine idealtypische Korrektur, der sich nun der erwähnte Kursanstieg anschließt. Spätestens wenn die Fonds es über das August-Hoch schaffen, dürfte der Anstieg mächtig an Fahrt aufnehmen.

Die Branche hat ihre Hausaufgaben gemacht

Es gibt viele Faktoren, die die Aktienkurse der Goldminen beeinflussen. Der wichtigste aber ist die Entwicklung des Goldpreises. Nach unserer Auffassung hat das Edelmetall 2016 ebenfalls eine neue längerfristige Anstiegsphase (Bullenmarkt) begonnen, sodass wir Vertrauen haben, dass sich der Sektor der Goldminen-Aktien in den nächsten Monaten und Jahren mindestens positiv, wenn nicht hervorragend entwickeln wird. Hinzu kommt, dass die Branche in der Krise ihre Hausaufgaben gemacht hat: Mit Kostensenkungen, Verkäufen von Vermögenswerten und einer besseren Finanzstruktur haben die Gesellschaften ihre operative Basis klar verbessert. Gleichzeitig sind viele Unternehmen günstig bewertet.

Minenaktien helfen bei der Diversifikation

Wer über ein Investment nachdenkt, sollte folgende Punkte beachten. Erstens: Bei Goldminen handelt es sich zwar um Aktien, doch diese entwickeln sich recht unabhängig vom breiten Aktienmarkt. So bewegte sich die Korrelation, also der Gleichlauf von SPY und GDX – diese Fondskürzel stehen für den S&P 500 und den Goldminen-Sektor – seit 2013 zwischen plus 0,25 und minus 0,25. Ein Korrelationsfaktor von 0 heißt, dass sich die Anlageklassen vollkommen autark entwickeln. Minenaktien sind also gut für die Diversifikation.

Nur in kleinen Dosen gut fürs Depot!

Zweitens stellen Goldminen einen Hebel auf den Goldpreis dar – nicht selten weisen sie einen Hebel von fünf oder höher auf! Eben deshalb sollten Anleger Minenaktien ihrem Depot nur in kleinen Mengen beimischen – damit meine ich einen Anteil von maximal fünf Prozent. Und drittens: Suchen Sie nicht nach angeblich vielversprechenden Einzelwerten, kaufen Sie besser den ganzen Sektor – am besten über einen Indexfonds. Damit fahren Sie günstiger als mit aktiv verwalteten Produkten und sind sicher, dass Sie „die richtigen Aktien“ haben.