Vermögensverwalter Stephan Albrech „Tauschen Sie Ihre Skepsis gegen Optimismus – es lohnt sich!“

Kein Grund zur Sorge, sagt Stephan Albrech: Ein Börsenhändler an der Frankfurter Börse gibt sich frustriert nach einem Dax-Absturz. Foto: Getty Images

Kein Grund zur Sorge, sagt Stephan Albrech: Ein Börsenhändler an der Frankfurter Börse gibt sich frustriert nach einem Dax-Absturz. Foto: Getty Images

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Nach über einem Jahr fallender Kurse befürchten die meisten Anleger hierzulande, dass auch die Erholung der Aktienmärkte seit Februar kurz vor ihrem Ende steht – so wie schon jene aus dem letzten Herbst. Indizien dafür gebe es ja genug, heißt es: Ökonomen sagen fast einhellig geringes Wirtschaftswachstum voraus, die Analysten prophezeien mickrige Ge-winnzuwächse, und die Inflation bleibt extrem niedrig. Außerdem schwebt eine Reihe von Damoklesschwertern über den Märkten: der Brexit – also der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – die Wahl von Donald „Behüt uns“ Trump und eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank.

Optimismus – warum denn das?


Kein Wunder, dass Scharen von Investoren bereit sind, für lang laufende Staatsanleihen und sogenannte Qualitätsaktien mit satten Dividenden extra hohe Preise zu zahlen. Doch das könnten sie spätestens dann bereuen, wenn der Weltaktienmarkt Fahrt aufnimmt und bis in den Winter hinein deutliche Zugewinne verbucht. Dass dies so kommt, ist unseres Erachtens recht wahrscheinlich – und zwar aus drei Gründen: Erstens entwickelt sich die Wirtschaft derzeit besser als von vielen Beobachtern befürchtet, was die Aktienmärkte stärken dürfte. Zweitens verursachen die Aufreger-Themen langfristig meist weniger Schäden, als die meisten denken. Und drittens sprechen sowohl der Börsenzyklus in US-Wahljahren wie auch die aktuelle Kursentwicklung für ein gutes zweites Aktienhalbjahr.

Grund Nr. 1: Die Konjunktur ist robust


Seit vier Quartalen verdienen die Unternehmen in den USA weniger als im Vorjahresquartal – für die meisten Analysten ist das ein klares Menetekel für mehr Ungemach. Doch warum notiert der viel beachtete S&P 500 dann nur haarscharf unter seinem Allzeithoch? Der Grund: Ein zeitweiliger Rückgang der Unternehmensgewinne ist nur dann ein Vorbote für Unheil an der Börse, wenn ihm eine Rezession folgt. Doch nach einer Rezession sieht es in den USA derzeit überhaupt nicht aus, wie der verlässliche „Leading Economic Indicator“ (LEI) des Conference Board zeigen: Im April hat der Indikator, der seit 57 Jahren ein Licht auf die Entwicklung der nächsten Monate in den USA wirft, deutlich zugelegt. Stünde eine Rezession bevor, würde der LEI erst ein paar Monate lang auf ein niedriges Niveau sinken. Davon ist ebenso wenig zu sehen wie bei den LEIs für Deutschland und die Euro-Zone. Auch der aussagekräftige ifo-Index für Deutschland hat diesen Trend jüngst bestätigt.