Vermögensverwalter Thomas Buckard „Aktien sind nicht alternativlos“

Thomas Buckard, Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF), empfiehlt Anlegern, neben Aktien auch andere Anlageklassen im Blick zu behalten. | © MPF AG

Thomas Buckard, Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF), empfiehlt Anlegern, neben Aktien auch andere Anlageklassen im Blick zu behalten. Foto: MPF AG

Das Mantra der vergangenen Jahre - Aktien seien alternativlos – hat die Realität vor wenigen Wochen eindrucksvoll widerlegt. Bei der Ende Januar gestarteten Korrektur verloren Dax, Dow & Co. Zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent an Wert. Da tröstet eine Dividendenrendite von bis zu drei Prozent nur wenig. Und das muss es noch nicht gewesen sein. Vor allem in den USA läuft der Arbeitsmarkt heiß – die Grundlage für Inflation ist gelegt. Auch in Deutschland deuten die jüngsten Lohnabschlüsse auf eine beginnende Lohn-Preis-Spirale hin.

Steigende Inflation bedeutet immer auch steigende Zinsen – und die sind Gift für die Aktienmärkte. In den USA könnte die Notenbank Fed in diesem Jahr mit bis zu vier Leitzinserhöhungen gegen eine möglicherweise höhere Teuerungsrate gegenhalten. Gleichzeitig nimmt in Europa der Druck auf die Europäische Zentralbank zu, sich zu erklären, wann und wie sie aus ihren Anleihekäufen ausstiegen will. Damit ist klar: Der geldpolitische Rückenwind für die internationalen Aktienmärkte hat seinen Zenit überschritten.

Wieder mehr Schwankungen

Dazu kommt, dass Aktien vor allem in den UA noch immer ungewöhnlich hoch bewertet sind. Da ein Plus der Unternehmensgewinne von um die zehn Prozent bereits eingepreist  sein dürfte, ist der Spielraum für positive Überraschungen ziemlich begrenzt. Verdienen die Unternehmen dagegen „nur“ fünf Prozent mehr als im Vorjahr, dürften vor allem die teuren US-Börsen verschnupft reagieren. Eine weitere Korrektur wäre die wahrscheinliche Folge. Und wenn die Wall Street fällt, geben in aller Regel auch die anderen Aktienmärkte nach. Das muss nicht alles so kommen, kann es aber.

Die jüngste Korrektur hat aber durchaus auch positive Aspekte. Zum einen hat sie das Bewusstsein der Anleger wachgerüttelt, dass es sehr wohl Risiken für die Aktienmärkte gibt – seien es steigende Zinsen, Gewinnenttäuschungen der Unternehmen oder politische Gefahren wie die anstehenden Parlamentswahlen in Italien. So manche zittrige Hand von Anlegern, die kurzfristig auf den fahrenden Zug der Aktienhausse aufgesprungen sind, dürfte sich von Aktien kurzerhand wieder getrennt haben. Das ist nur gesund für die weitere Kursentwicklung. Die Volatilitätsindizes, die die Risikowahrnehmung der Investoren widerspiegeln, bewegen sich zumindest wieder auf etwas „normaleren“ Niveaus. Die völlig schwankungsarmen Zeiten sind an den Aktienmärkten vorerst vorbei.