Vermögensverwalter Thomas Buckard Inflation zieht an: So schützen sich Anleger vor Geldentwertung

Thomas Buckard, Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF) aus Wuppertal

Thomas Buckard, Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF) aus Wuppertal

Die Inflationsrate steigt. Das ist schlecht für Anleihen und Mischfonds, aber auch Aktien sind gefährdet. Gold profitiert dagegen. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im Februar um 2,2 Prozent - der höchste Wert seit viereinhalb Jahren. In der Eurozone lag die Teuerungsrate im Januar bei 1,8 Prozent – gegenüber 1,1 Prozent im Dezember. In den USA ist die Inflationsrate zuletzt sogar von 1,1 auf 2,5 Prozent angesprungen.

Inflationsbeschleuniger Ölpreis

Eine wesentliche Ursache für die stärkere Geldentwertung ist der Ölpreis. Dieser hat sich auf Sicht eines Jahres in etwa verdoppelt. Gleichzeitig sind die Energiekosten bei der Berechnung der Inflationsrate mit fast zehn Prozent hoch gewichtet. Zwar wird der inflatorische Ölpreis-Effekt in den kommenden Monaten nachlassen, da die Notierungen im Frühjahr 2016 wieder gestiegen waren. Ein Ende der Geldentwertung ist damit aber keineswegs gewiss. Denn auf der Welt zirkuliert zu viel freies Kapital.

Die Notenbanken haben in und nach der Finanzkrise durch ihre Anleihekaufprogramme Tausende Milliarden Euro beziehungsweise Dollar „gedruckt“. Das dramatisch große Angebot von Liquidität sorgte bereits für deutlich höhere Vermögenspreise – vor allem bei Immobilien, Kunst und Aktien. Wenn das Geld einmal in der Realwirtschaft ankommt, kann das aber auch bei den Verbraucherpreisen passieren.

Der vielleicht größte Inflationsschub droht in den Vereinigten Staaten. Das von Präsident Donald Trump angekündigte Infrastrukturprogramm trifft auf einen bereits ausgelasteten Arbeitsmarkt. In der amerikanischen Bauwirtschaft gibt es schon heute 200.000 offene Stellen. Falls Trump ernst macht und mehrere Millionen sich illegal in den USA aufhaltende Mexikaner ausweist, dürfte sich die Lage weiter verschärfen. Er könnte damit eine handfeste Lohn-Preis-Inflationsspirale in Gang setzen. Dazu kommen noch mögliche Importzölle, die in den USA eingeführte Waren verteuern würden.

"Höhere Zinsen bald auch im Euroraum möglich"

Zieht die Inflation weiter an, müssen Anleger auch mit höheren Zinsen rechnen. Die US-Notenbank Fed könnte stärker und schneller die Leitzinsen erhöhen als bislang in Aussicht gestellt. Und die EZB könnte ihr Anleihe-Kaufprogramm früher als geplant reduzieren und damit auch in Euroland für höhere Zinsen sorgen. Schließlich ist das Inflationsziel der EZB von knapp zwei Prozent erreicht.

Für Anleihen sind steigende Zinsen Gift. Denn deren Kurse bewegen sich grundsätzlich in entgegengesetzter Richtung. Davon wären auch die bei den Deutschen so beliebten Mischfonds betroffen. Einen gewissen Schutz bietet das Umschichten in kürzere Laufzeiten, da diese weniger unter steigenden Zinsen leiden als Langläufer.

Aktien gelten als Sachwerte und damit auch als Schutz gegen Inflation. Wenn die Zinsen steigen, sind Dividendenpapiere jedoch nicht mehr alternativlos. Das erklärt, warum seit dem Beginn der Zinswende Mitte vergangenen Jahres vor allem dividendenstarke Titel unter Druck geraten sind. In den USA werfen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit wieder 2,5 Prozent Zinsen ab. Das ist mehr als die durchschnittliche Dividendenrendite von US-Aktien.

"Aktien absichern und Pulver trocken halten"

Dazu kommt, dass die Volatilitätsindizes, auch Angstbarometer genannt, ungewöhnlich niedrig notieren. Sobald die Börsianer Risiken wieder stärker adressieren und die Volatilitätsindizes auf ein normales Niveau steigen, sind spürbare Kursverluste bei Aktien zu erwarten. Anleger sollten darüber nachdenken, ihre Aktienbestände zumindest teilweise abzusichern. Angesichts der noch sehr niedrigen Volatilitäten ist das zurzeit sehr preiswert umzusetzen.

Für Gold dagegen ist das Umfeld positiv, denn das Edelmetall gilt als klassischer Inflationsschutz. Außerdem sollten Anleger ausreichend Liquidität halten, um bei einer möglichen Korrektur an den Renten- und Aktienmärkten nachkaufen zu können. Der Gewinn liegt bekanntermaßen im günstigen Einkauf.